Monden", so als Adjektiv, da kennt man gleich die Jahre, in denen das Gedicht geschrieben worden ist, irgendwann zwischen Trakl, Nierentisch und Jägerzaun. Überhaupt dieser Metaphern-Eifer, dieses etwas süßliche Gulasch aus Spätestsymbolismus und naiver Poesie... Und doch haben seine Verse, samt Süße, ihren ganz eigenen Reiz, märchen- resp. mädchenhaft. Gerade wird er ein bißchen wiederentdeckt, vom Aachener Rimbaud Verlag: der Apotheker Erich Jansen (1897 bis 1968) aus dem Städtchen Stadtlohn im westlichsten Westfalen, nahe der holländischen Grenze. Aus den Briefen eines Königs heißt der Band ausgewählter Gedichte, der jetzt erschienen ist (Leseprobe auf Seite 46 dieser Ausgabe), und fühlt man sich auch nicht gleich hin und weg, so doch hin- und hergerissen und versteht, warum Johannes Bobrowski ihn sehr mochte und Peter Rühmkorf weniger.

"Monden" eben, und Damen, die "hinaus in die Nacht" rudern, "um auf dem Grund der Welt / die goldne Lilie zu suchen". Das sind so die Missing links zwischen Stefan George und Botho Strauß.

Dinge und Dichter, das ist immer die Probe auf die Kunst, ob der Poet das Zauberwort trifft, das die Welt zum Singen bringt. Ob er überhaupt das Leben der Dinge, die uns umgeben - Zigarrenkisten und dergleichen -, wahrnimmt und versteht. Wie Funny van Dannen in seinem neuen Album (Komm in meine Arme, Verlag Antje Kunstmann): "Ein Hemd und eine Hose / lagen auf einem Bett. / Die Hose war schön schlank, / das Hemd war viel zu fett." Da merkt man gleich: Hier fühlt der Künstler mit. Oder wie es Erich Hackl in seinem Nachruf auf den katalanischen Dichter Joan Brossa in der Frankfurter Rundschau nachempfand: Der Künstler habe ein winziges Atelier besessen, wo er "im Beisein einer alten Klomuschel an seinen Gedichten, Theaterstücken und Objekten arbeitete". Im Beisein einer alten Klomuschel. Das ist zart, das ist wundervoll beobachtet. Nicht einfach neben oder vor, sondern im Beisein.

Das Bei-uns-Sein und überhaupt das Sein der Dinge, ihr geheimes Leben. Es muß nicht gleich zu so einem klassizistischen Ding-Gedicht geraten, Römischer Brunnen etc.; versteht sich, daß alles Vergängliche nur ein Gleichnis ist. Eine Strumpfhose auf einem Wäschedraht im Januar reicht vollkommen, wie bei Rolf Dieter Brinkmann: "Ein Stück Draht, krumm / ausgespannt, zwischen zwei / kahlen Bäumen, die // bald wieder Blätter / treiben, früh am Morgen / hängt daran eine // frisch gewaschene / schwarze Strumpfhose / aus den verwickelten // langen Beinen tropft / dasWasser in dem hellen, / frühen Licht auf die Steine."

Das Wesen der Dinge, die uns umgeben, in Dinge verwandelte Menschen, Verstorbene, die in den Dingen weiterleben, Seelen, die zu uns sprechen, aus Lampen und Tischen, aus Kühlschränken (Gruß an Axel Hacke und seinen lieben Bosch!), Radiergummis... Das sind sonderbare Erscheinungen, von denen die Märchen und Mythen aller Völker dieser Erde erzählen.

Andererseits: Gibt es nicht auch den umgekehrten Fall? Dinge, die sich in Menschen verwandeln? Sympathische, flotte, fitte, schicke Zeitgenossen, Nachbarn, energisch und dynamisch, die in Wirklichkeit verzauberte Radiergummis sind? Kloschüsseln? Schrecklich! Unfaßbar! Oder, in den Worten des großen Hugo von Hofmannsthal: "Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt, / Und viel zu grauenvoll, als daß man klage."