Mir ist schleierhaft, wie der Autor glauben kann, die Veranstaltungen an deutschen Universitäten würden an Attraktivität gewinnen, wenn sie sich in dem unbeholfenen Pidgeon-Englisch abspielen, das man häufig genug auf Tagungen ertragen muß; vielleicht hat er die dann zu erwartende Häufung von unfreiwilliger Komik im Sinn. Wirklich schöne Vorträge auf englisch habe ich bislang nur von richtigen Angelsachsen zu hören bekommen, während die meisten deutschen Professoren ihr Englisch ja noch nicht einmal korrekt aussprechen können. Dabei ist das bißchen Fachenglisch immer noch das wenigste. Das kann man sich vergleichsweise schnell anknobeln, falls man es nicht schon längst draufhat. Eine Vorlesung lebt aber auch - selbst in einem Fach wie Mathematik - von mehr am Rande liegenden Dingen; ab und zu muß man schon einmal ein Witzchen anbringen oder eine Bemerkung über Gott und die Welt fallenlassen. Gerade solche scheinbaren Nebensächlichkeiten werden unter einer Fremdsprache am meisten zu leiden haben. Man darf deshalb sicher sein: Sollten die deutschen Universitäten sich tatsächlich nicht entblöden, Englisch als Unterrichtssprache für bestimmte Fächer einzuführen, wird man dort die langweiligsten Vorlesungen der Welt genießen können.

Um nicht mißverstanden zu werden: Ich spreche mich keineswegs dagegen aus, daß auf internationalen Tagungen Englisch gesprochen wird, weil es tatsächlich oft die einzige Möglichkeit zur allgemeinen Verständigung bietet. Mir scheint jedoch evident, daß durch die Einführung von Englisch als Standardsprache für manche Fächer mehr Schaden als Nutzen gestiftet würde, nach dem Motto "gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut".

Prof. Dr. Klemens Döpp Freudenberg