Obe Postma/Tsjêbbe Hettinga: Fryslân! De wrâld! - Friesland! Die Welt; Gedichte friesisch-deutsch; zusammengestellt und übersetzt von Ard Posthuma, Babs Gezelle Meerburg und Ronald Noppers; Attempto Verlag, Tübingen 1998; 80 S., 18,- DM Bei Friesisch denken alle nur an Ostfriesenwitze. In Hamburg geht der Schnack so: Wenn ein Auto mit dem Kennzeichen NF (Nordfriesland, Sylt!) rechts blinkt, biegt es links ab. Daß auf den Inseln vor den Niederlanden, Deutschland und zum Teil auch vor Dänemark und an den Gestaden vor der Nordsee immer noch Friesisch gesprochen, ja gedichtet wird, daran erinnert ein neuer Band der alles Flachwasser der Bestsellerei meidenden Schriftenreihe Lyrik im Hölderlinturm. Zwei Bauernsöhne werden hier vorgestellt, Obe Postma (1868 bis 1963) und Tsjêbbe Hettinga (geboren 1949). Beide stammen aus der nordniederländischen Provinz Fryslân, wo fast 95 Prozent der Bevölkerung, immerhin 600 000 Einwohner, Friesisch sprechen oder zumindestens doch verstehen. Es handelt sich um schöne, lebensfrohe Verse - natürlich auch um traurige, geht es doch darum: "Ien foar ien ferlitte myn freonen it doarp." Hochdeutsch: "Einer nach dem andern verlassen meine Freunde das Dorf."

Jochen Golz (Hrsg.): Caroline von Wolzogen, 1763-1847; Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar; 160 S., Abb., 24,- DM Endlich wird diese Frau, eine der bemerkenswerten Gestalten des klassischen Weimar, etwas anschaulicher. Fast immer als "Schillers Schwägerin" in Fußnoten verbannt, lernt man ein vulkanisches Temperament kennen. Wurde ihr Roman Agnes von Lilien, natürlich anonym erschienen, damals nicht sogar Goethe zugeschrieben? Und zauderte nicht Schiller, ob er die leidenschaftliche Caroline oder deren stille, sanfte Schwester Charlotte von Lengefeld heiraten sollte? Träumte er nicht, wie sogar Wissenschaftler zu konstatieren nicht umhin können, von einer ménage à trois? "Ich weis euch in meinem Zimmer. Du Karoline bist am Klavier und Lottchen arbeitet neben Dir ... Ich lege die Feder weg, um mich eurem schlagenden Herzen zu überzeugen, daß ich euch habe." Aus dem in den USA ruhenden Nachlaß viel neue Erkenntnis über eine Schriftstellerin, die in ihrem dramatischen Fragment Der leukadische Fels diesen Vers schreibt, der als Lebensklage gelesen werden muß: "Wie findet sich ein weiblich Herz verlohren!"