Samstag ist Skattag, manchmal auch Zahltag. Wer am besten sticht und spekuliert, kassiert. Keine großen Summen, doch genug, um den Reiz des Zockens und Bluffens anzustacheln. Denn Kartenspieler brauchen nicht nur Regeln, sondern auch Rituale. Wenn sich Harald Falckenberg mit seinem Vater und Freunden am Wochenende zum Skat in seiner Hamburger Wohnung trifft, begleiten nicht nur Pfennigbeträge, sondern auch Whisky und Zigarren die Runden der Sieger und Verlierer.

Wie eine Art schriller Spiegel der Zeremonie um Asse und Trümpfe wirkt das Bild des kubanischen Künstlers Juan Miguel Pozo an der Wand. Es zitiert das berühmte Gemälde Kartenspielende Krüppel von Otto Dix aus dem Jahr 1920 und ist gleichzeitig eine grelle Karikatur des Castro-Regimes in Pozos Heimatland.

Ungerührt von der ätzenden Persiflage in Sichtweite, mischen die Herren die Karten neu. An diesem Abend gewinnt der Gastgeber, oder waren es die Gäste? Nicht jeder erträgt das Spielerglück des anderen. So kippte Horst Janssen, dessen Zeichnungen und Grafiken Harald Falckenberg als Student kaufte und der in den sechziger Jahren die eine oder andere Partie verlor, vor Wut häufig den Tisch um. "Am Ende konnte ich seine Kunst nicht mehr von der Person trennen", sagt Falckenberg. "Damals wurde mir klar, daß ich mich nur mit Arbeiten umgeben wollte, die unabhängig von der Person eines Künstlers bestehen konnten."

Doch erst über zwanzig Jahre später begann der Sohn einer Hamburger Kaufmannsfamilie, geboren 1943, erneut Kunst zu sammeln. Inzwischen hatte er Karriere gemacht und als promovierter Jurist zusammen mit zwei Kollegen 1969 in Hamburg, Berlin und Kiel ein erfolgreiches Repetitorium aufgebaut. 1979 trat er als Geschäftsführer in das Unternehmen seines Schwagers ein. "Ich wollte mein Leben nicht als Repetitor beenden."

Harald Falckenberg sitzt am Skattisch und dehnt die Mundwinkel zu einem Lächeln. Nicht selbstgefällig, eher belustigt von den eigenen Lebenslaunen. In der Firma, die Zapfventile, Schlauchleitungen und Tankzubehör herstellt und vertreibt, arbeitet er "aus Überzeugung und in voller Verantwortung für viele Menschen bis heute". Dennoch blieb jenseits aller beruflichen Meriten ein Defizit. "Mein Bedürfnis, mich aus dem Trott des Alltags zu retten, wuchs" - er spricht eine Spur schneller und heller - "ich fühlte, ich mußte etwas gestalten."

Irgendwann tauchte eine verheißungsvolle Fata Morgana am Horizont grauer Gleichförmigkeit auf. In schillernden Farben wies sie zurück in eine Kindheit "herrlicher" Spiele in den Ruinen Nachkriegshamburgs, in eine Zeit, die "von großer Freiheit geprägt war". Danach führte sie Harald Falckenberg die Freiräume seiner Jugend verlockend vor Augen. Wie er zum Beispiel anfing, mit Waschbrett und Ukulele-Banjo zum Revival des original New Orleans Jazz beizutragen. "Das war eher Spaß als Vermögen", erinnert er sich. Jetzt funkeln seine Augen.

Später wurde der Sport zur Leidenschaft, Tennis und Hockey standen bis zum Abitur auf dem täglichen Stundenplan. Nur gut, daß sich der Knabe das Gymnasium selbst aussuchen durfte. Er wählte das "leichteste mit dem zweitschlechtes-