What's deutsh?" wird wohl für den Millenniumsrest unser aller einziges Debattenthema bleiben, selbst wenn die Erkennungsmelodie des öfteren wechselt. Das fing an im Herbst mit dem Letzten Walser und hat jetzt, als beim Münchner Kehraus des CSU-Chefs angeblich ein paar Waigel-Fans Theo, wir fahrn nach Litzmannstadt anstimmten, einen neuen Höhepunkt erreicht. Der unfeine Kantatentext ignorierte allerdings das Versmaß, außerdem wurde da Häuptling Augenbraue gewiß mißverstanden, hatte er doch lediglich die Nation eine "Schicksalsgemeinschaft" genannt und sich die Deutschen als "Herr im eigenen Hause" gewünscht. Wünschen aber muß erlaubt sein; ohne den Wunsch als Vater des Gedenkens hätte selbst Mahnmalexperte Naumann (Erkennungs-Melodie: Im Leben, im Leben, geht mancher Schuß daneben) nie herausgefunden, was es mit der allmählichen Verfertigung des Gedenkens beim Regieren auf sich hat. Die eigenen Patzer ganz cool mit einem lässigen "Psaw!" überspielen wie weiland Old Shatterhand, das schafft nicht jeder Amerika-Heimkehrer, das beherrscht wohl im Kabinett der Selbstbewußten nur der andere große Mahnmalexperte; jener Schröder, dessen Wunsch, Herr im eigenen Hause zu sein, nicht immer in Erfüllung geht, und doch hat der Mann die erfolgreiche Mahnmalarchitektin Weinmiller (Wettbewerbsplatz vier) für den Umbau seiner süßen Villa in Berlin-Dahlem gewonnen: damit dort das Wohnmal eines Kanzlers entstehe, wo die Deutschen gern hingehen. Deutsh sein & gern sein sollen fortan zusammengehören! Die trüben, die unsauberen Tassen dagegen bleiben besser draußen: dort, wo viele Londoner und Brüsseler Affären - Alles bar, Herr Kommissar? - zum Himmel stinken. Draußen: von wo der jüngst erst aus Bayern nach Istanbul umgesetzte Jungmoderator Mehmet, durch seinen Arbeitgeber Kral TV angeblich beim Laptop- und Handy-Klau gefilmt, nun als Held ebendieser Videos ins Deutsh TV heimkehren dürfte - falls die Privaten so was senden. Oder hat Mehmet den Zutritt zum Schicksalskral unserer Identity Card nun endgültig verscherzt? Diese Frage verblaßt vor der aktuellen Identitätssorge des Freistaates Bayern, welcher sich vor fünf Jahren bereits durch einen Polizisten mit Ohrring unangemessen repräsentiert wähnte, ausgerechnet jetzt aber per Gerichtsbeschluß einlenken muß. Provoziert werden die südlichen Volksgenossen außerdem durch Münsters Polizeipräsidenten, einen bekennenden Ohrstecker, der da sagt: "Das ist ein Stück Liberalität, das wir den Beamten zugestehen." Von diesem westfälischen Schicksalsstück möge sich bitte jeder mal 'ne Stange abschneiden; oder ist Münster etwa nicht repräsentativ? Psaw! Aus Münster, immerhin, kommt Ute Lemper.