Noch ist Reinhard R. in Gerichtsdingen unerfahren. "Ich weiß ja nicht, wie das hier bei euch so vor sich geht, ich hab' ja keine Übung darin", entschuldigt er seine Hilflosigkeit, um zugleich den gegen ihn erhobenen Vorwurf einer Körperverletzung generell zu entkräften: "Ich bin ja kein Raufer nicht. Hab' im Leben nie was mit der Polizei zu tun gehabt."

Dabei wird dem Österreicher vor dem Hamburger Amtsgericht sogar ein Akt politisch motivierter Gewalt vorgeworfen. Ende September vergangenen Jahres, zu einer Zeit, da Helmut Kohl noch von vier weiteren Regierungsjahren träumte, soll Reinhard R. bei einer CDU-Veranstaltung auf dem Gänsemarkt in Hamburg die 20jährige Britta S., eine Gegendemonstrantin der Jusos, in den Magen geboxt haben.

Ein "vermaledeiter Irrtum" sei das, gewiß aber "stark übertrieben", schnauft Reinhard R. aufgeregt. Da er sich unschuldig fühlt, hat er auch Widerspruch gegen einen Strafbefehl über 3600 Mark eingelegt.

Betrachtet man die gerundete Gestalt und den krebsroten Kopf des 51jährigen, sieht Herr R. wirklich nicht wie ein Schläger aus. Auch sei er kein "Fanatiker von der CDU", verteidigt er sich. Gewiß habe er politische Präferenzen, aber keinen Horror vor anderen Parteien. "Die sind mir alle recht, wie sie da sind, wenn s' nur demokratisch sind", befindet er.

In dem Gedränge damals sei er über einen Poller gestolpert: "Ich fall' darüber, ruder' mit den Armen." Und dabei habe er das "Mädchen" wohl unglücklich erwischt, sagt Herr R. kleinlaut. Zugeben müsse er, daß er sich nicht bei der Dame entschuldigt habe, denn ihre Begleiter hätten alle über seinen Sturz gelacht. "Da bin ich halt grantig geworden."

Britta Sch. hatte den versammelten Würdenträgern der CDU damals ein Plakat entgegengehalten, unter einem Kohl-Porträt war der Trapattoni-Satz "Ich habe fertig" zu lesen. "Das ist nicht unser Deutsch", habe er da wütend und vielleicht auch etwas lauter gesagt, gibt Herr R. zu. Dann sei er einfach weitergegangen, aber plötzlich hätten ihn acht Polizisten umzingelt. "Schon hab' ich die Körperanzeige bekommen." Besonders schlimm könne er Frau S. nicht getroffen haben, denn "die stand da rum, freudig und lustig".

Die Geschädigte bestätigt die Version vom versehentlichen Sturz ihres Kontrahenten nicht. Im Gegenteil, Herr R. soll sich von Anfang an maßlos über das Plakat ereifert haben. Er habe sie an der Jacke gepackt, sie mit erhobenem Zeigefinger bedrängt und geschimpft, daß der Herr Doktor Kohl sehr wohl Deutsch könne. Dabei habe er sie in den Magen geboxt, sagt die 20jährige Studentin. "Ich hab' den Schlag gar nicht gesehen, aber vor Schmerz sind mir die Tränen in die Augen geschossen, und die Luft ist mir weggeblieben."