Das Geschäft mit den Brummis brummt. Nach etlichen mageren Jahren melden fast alle Hersteller von Lastkraftwagen für 1997 und 1998 Rekordzulassungen in Europa und Nordamerika. Nicht zuletzt ein Resultat des Siegeszugs des Gütertransports auf der Straße zu Lasten von Bahn und Schiffahrt. Dieser Erfolg macht offenbar begierig. Besonders aggressiv preschte vergangene Woche der Volvo-Konzern vor. Selbst seit Anfang des Jahres mit seiner Pkw-Sparte im Zentrum von Fusionsspekulationen (ZEIT Nr. 3/ 1999), ging er in die Offensive: Nachdem Verhandlungen mit dem schwedischen Konkurrenten Scania nicht vorankamen, kauften die Volvo-Manager kurzerhand knapp 13 Prozent der Scania-Anteile auf.

Die einflußreiche Wallenberg-Gruppe, mit knapp 46 Prozent an Scania beteiligt, war über diesen frechen Akt nicht erfreut. Störte der doch Verhandlungen "mit anderen Partnern". VW-Chef Ferdinand Piëch, der seine Transporter gerne durch die schwedischen Schwerlaster ergänzen würde, hatte bereits ebenso mit Scania gesprochen wie Weltmarktführer DaimlerChrysler. Bislang waren die Verhandlungen allerdings stets an den hohen Preisvorstellungen der Skandinavier gescheitert, wie Mercedes-Nutzfahrzeugchef Kurt Lauk freimütig einräumte. Neben den Deutschen wird freilich auch dem US-Konkurrenten Paccar, der sich unlängst die niederländischen DAF-Trucks einverleibte, Appetit auf die technisch hervorragenden Scanias zugeschrieben.

Käme die schwedische Allianz zustande, würden Volvo/Scania bei Lastern über 16 Tonnen Gesamtgewicht mit gut 30 Prozent Marktanteil in Europa sogar Mercedes (rund 21 Prozent) überholen und weltweit nach den Stuttgartern auf Rang zwei vorrücken - mit großem Abstand zu Wettbewerbern wie MAN, Iveco/Fiat oder Renault. Um den Deal zu finanzieren, könnte Volvo freilich gezwungen sein, sich beim Pkw einen Partner zu suchen. Auf der Bewerberliste ganz oben: Fiat und Ford, denen die Limousinen gut ins Programm passen würden. Einstweilen aber hat Scania eine Investmentbank eingeschaltet, um sich "beraten" zu lassen, und die Wallenberg-Gruppe, die auch beim Flugzeughersteller Saab und bei Saab-Pkw (mit General Motors) engagiert ist, müßte sich erst noch mit den ungeliebten einheimischen Rivalen anfreunden.

Derweil blüht auf der anderen Seite der Erde ebenfalls Fusionsphantasie auf. Die beiden DaimlerChrysler-Chefs, Jürgen Schrempp und Bob Eaton, weilen diese Woche in Japan, um offiziell ihr Fahrzeugprogramm zu präsentieren. Bekannt ist, daß das Duo Interesse hat, bei der Lkw-Tochter des Nissan-Konzerns (Nissan Diesel) einzusteigen. Der Chef des angeschlagenen japanischen Autoherstellers hat indes gerade erst wieder betont, daß er sich vorstellen könne, einem Partner beim Mutterunternehmen Nissan Motors gut 30 Prozent der Anteile einzuräumen. Anders als bei Scania ging es beim Poker um das hochverschuldete japanische Unternehmen bislang darum, den Preis zu drücken.

Doch Schrempp und Eaton werden sich ranhalten müssen. Renault, so war aus Frankreich zu hören, ist ebenfalls an Nissan interessiert. Das immer noch teilstaatliche Unternehmen hat sich durch eine gelungene Modellpolitik und große Qualitätsfortschritte aus der Krise herausgearbeitet und könnte mit Nissan in Asien und Nordamerika Fuß fassen. Aber auch Ford ist beim Pokerspiel in Japan mit von der Partie. Reichlich Raum für Planspiele.