Walter Momper hat unerwartet, aber doch nicht überraschend triumphiert. Wenn die Berliner SPD aus Führungsschwäche den Migliedern überläßt, den Spitzenkandidaten zu wählen, gebiert sie Charismatiker - allerdings im Berliner Format. Momper tritt an als Mini-Schröder ("Ich bin bereit"), mit monomanem Machtwillen, dem roten Schal aus rot-grünen Wendezeiten und dem Kanzlersegen. Momper heißt: raus aus der ungeliebten Großen Koalition. Sein Gegner, der Fraktionschef Klaus Böger, ein moderner, redlicher Reformer, muß die Deregulationen und Privatisierungen der Großen Koalition verantworten. Sie haben das ÖTV-Milieu der Partei tief erschüttert und verbittert. Er ist kontaminiert durch die Kohabitation mit der CDU. Momper hingegen kann frei angreifen. Das zählt bei einer Partei, die voller Selbstzweifel steckt.

Der Spitzenkandidat handelt schon: Parteivorsitz und Geschäftsführung wechseln - ein Revirement, kaum eine Erneuerung. Der CDU bleibt die negative Symbolik: Sie steht nun allein für Stagnation, für das Unbehagen an der Großen Koalition, für die Sklerose der politischen Klasse. Mompers geistige Statur steht nicht für die Zukunft der neuen europäischen Hauptstadt, sondern für Berliner Kleinkriegpolitik. Er ist deren letztes und jüngstes Produkt.