Das neue Jahr hat für viele Kunden privater Krankenversicherer nicht gut begonnen: Vor allem stationäre und ambulante Versicherungstarife sind teurer geworden. Niedrigere Beiträge gibt es dagegen bei der Pflegeversicherung, beim Krankentagegeld und bei privaten Zusatzversicherungen für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Viele private Krankenversicherer nutzen den Jahreswechsel dazu, ihre Beiträge an die aktuelle Kostenentwicklung im Gesundheitswesen anzupassen. Die Kölner DKV beispielsweise hat ihre Prämien im Durchschnitt um 2,9 Prozent erhöht, die ebenfalls in Köln ansässige Central um fünf, die Saarbrücker Union Krankenversicherung um drei bis vier Prozent. (Lediglich einige Anbieter, etwa die DBV Winterthur aus Wiesbaden oder die Koblenzer Debeka haben auf Erhöhungen verzichtet.)

Wie sich die neuen Tarife auf den Beitrag des einzelnen Kunden auswirken, hängt natürlich vom jeweils vereinbarten Versicherungsschutz und vom Alter des Kunden ab. Als Faustregel gilt: Senioren zahlen die höchsten Ausgangsprämien und haben daher unter einem Anstieg stärker zu leiden als junge Menschen mit niedrigen Beiträgen.

Um ältere Versicherte vor hohen Beitragslasten zu schützen, hat der Gesetzgeber ihnen das Recht eingeräumt, in einen günstigeren Tarif ihres Versicherers mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln. Paragraph 178f des Versicherungsvertragsgesetzes verpflichtet die Anbieter, ihren Kunden diesen Wechsel ohne Gesundheitsprüfung zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen sie den Umsteigern die bis dahin erworbenen Alterungsrückstellungen mitgeben. "Dieser Umstufungsanspruch ist vor allem für ältere Versicherungsnehmer bedeutsam", so der Wortlaut des Gesetzes, "wenn ihr Tarif für Neuzugänge geschlossen und diesen ein neuer Tarif angeboten wird." Unter dem Strich ist dies ein kundenfreundliches Instrument gegen die schon oft angeprangerte Unsitte in der Branche, immer neue (günstige) Tarife für junge Gesunde einzuführen, gleichzeitig aber Alte und Kranke in immer teurer werdenden Alttarifen schmoren zu lassen.

Daß die Assekuranzunternehmen von Paragraph 178f weniger begeistert sind als die Verbraucherschützer, liegt auf der Hand. "Das Gesetz benachteiligt Versicherer mit vielen langjährigen Kunden", meint Jan Boetius, Vorstandsvorsitzender der DKV. Klaus Bohn, Chef der Mannheimer Krankenversicherung, resümiert daher zu Recht: "Einige Anbieter scheinen den Paragraphen zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser." Immer wieder würde versucht, Tarifwechsel mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln zu verhindern.

Beim Tarifwechsel haben ältere Versicherte oft das Nachsehen Die Hallesche-Nationale zum Beispiel streitet sich gerichtlich mit dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen um die Gültigkeit des Paragraphen. Hallesche-Vorstand Vilmar Klimaschewski will seinen Kunden den Wechsel in einen anderen Tarif nur mit einer erneuten Gesundheitsprüfung gewähren. Andere Gesellschaften umgehen das Gesetz eher im verborgenen - sie weisen ihren Außendienst entsprechend an: Der Kunde erhält keinerlei Informationen über günstigere Angebote des Versicherers; oder ihm wird erklärt, andere Angebote enthielten Mehrleistungen, für die wiederum Risikozuschläge fällig würden.

Geschickt lassen sich hierbei Definitionslücken im Gesetz ausnutzen. Danach hat der Kunde zwar das Recht, in einen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln, in dem er versicherungsfähig ist. Was dies jedoch bedeutet, ist nach Ansicht der Fachleute nicht hinreichend geklärt.

Mit einem besonderen Trick wollte der Deutsche Ring die ungeliebte Gesetzespassage ausschalten. Gemeinsam mit der niederländischen Ohra-Krankenversicherung sollte eine neue Tochtergesellschaft, die Balance Krankenversicherung, für junge Neukunden gegründet werden. Weil Paragraph 178f nur für den Umstieg innerhalb eines Unternehmens gedacht ist, hätten die Altkunden des Deutschen Rings das Nachsehen. Diese Pläne hat das Berliner Versicherungsaufsichtsamt jedoch zunächst auf Eis gelegt.