Schönheit, verstanden als guter Geschmack, ist absolut tödlich, aber wirkliche Schönheit ist unhandlich und schwer zu definieren." Mit diesem Satz hat Per Kirkeby die Wirkung seines Werks, besonders die seiner Malerei, hinreichend beschrieben, so oder so. Folgt man dazu einem weiteren Leitsatz aus des Künstlers zahlreichen Kommentaren in eigener Sache, dann gerät man über die "gefährliche Kategorie" der Schönheit hinaus zum eigentlich handfesten Prozeß des Malens und damit zu einer Bestimmung des Bildermachens, die der Sechzigjährige heute mit einer erstaunlichen Freiheit und Souveränität einlöste. Reine Malerei und das Prozeßhafte daran lassen sich bei Kirkeby immer dann überzeugend ablesen, wenn sie jenseits einer wilden Ästhetik seltsam dicht, mehrdeutig und damit spannend werden.

"Ein Bild zu malen, bedeutet im großen und ganzen, Widerstände zu schaffen, die man dann überwindet." Was angesichts manch elaborierter Darbietung von Interpreten vermeintlich schlicht klingt, beschreibt doch die subjektiven Erfahrungen des Malers genau: Das Komplexe, die Schönheit, die merkwürdige Anziehungskraft können nicht andauernd in Meisterwerken gipfeln. Manchmal wird auch Routine daraus - was aus Mallust und Produktivitätszwängen durchaus zu erklären ist.

Daß die in monumentales Format wachsenden Bilder des international begehrten Dänen von gefährdeter, gefährlicher Schönheit sein können, daß sie vielschichtig sind, seltsam naturhafte Schöpfungen und zugleich Reflexionen über Malerei und deren Geschichte, Erinnerung und spontanes Erleben, Dialog von Farbe und Struktur, das zeigt die Schau, die Armin Zweite jetzt für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eingerichtet hat. Seine Auswahl umspannt knapp die achtziger und neunziger Jahre und führt den Betrachter zu malerischen Höhepunkten aus jüngster Zeit.

Zweite selber hat gerade ein kapitales Bild für sein Düsseldorfer Museum gekauft. Wie er dies mit eindrucksvollen Folgen von Gemälden und Zeichnungen erläutert, gibt seinem Ankauf Gewicht und dem Publikum Gelegenheit, Kirkeby in bester Verfassung zu sehen. Es ist erfreulich, wenn sich in Zeiten von Großausstellungen und Großausstellungsmachern ein deutscher Museumsdirektor selbstbewußt auf ein, sein Bild konzentriert und dabei dieser überzeugenden Wahl ein angemessenes Umfeld gibt. Da dieses Umfeld auf spröde Werkbereiche wie Kirkebys Backsteinarchitektur verzichtet (und dafür eher halbherzig auf zwei seiner Bronzen hinweist), kann Zweite auf den Koloristen und dessen zeichnerische und malerische Transformation von Erlebtem, Gesehenem, Gedachtem setzen.

Der studierte Geologe Kirkeby ist voller Erinnerungen an vitales Naturgeschehen und an Vergänglichkeit. Der künstlerisch und kunsthistorisch Gebildete fügt anders geartete Reminiszenzen hinzu. Nicht, daß er zitierte; er bindet vielmehr Zeichenhaftes in die freien Rhythmen seiner Farbentwicklungen und -schichtungen ein. Malend lebt er mit allem, was ihn antreibt. Und mit dem seinem skandinavischen Dasein geschuldeten Bewußtsein einer gewissen "nordischen Schrägheit", einem symbolhaften Manierismus und Farbklängen, die von Munch zurück bis in die Romantik reichen.

Mehr als das sogenannte Sinnliche, meint der Maler, bringe all dies eine andere Form bildnerischer Intelligenz hervor, "eine andere Form nicht wirklich formulierbarer Einsicht". Mit einem Wort: Sehen muß man seine Bilder, nicht beschreiben.

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf bis zum 21. März; Katalog mit einem Essay von Armin Zweite, Verlag Buchhandlung Walter König, Köln, 48,- DM