Indiens Premierminister Vajpayee sitzt in der Klemme. Dem liberalen Intellektuellen mit den angenehmen Umgangsformen verdanken die rechtsextremen Hindus ihren Sieg bei den letzten Wahlen. Jetzt ist er den Ultras nicht scharf genug. Weil ihr Star mit wenig Fortune regiert und das Ziel, eine Supermacht zu werden, trotz oder gerade wegen der Atombombe wieder in weite Ferne gerückt ist, versuchen sie, die Dinge nun selbst in die Hand zu nehmen.

Abermals ist von vorgezogenen Neuwahlen die Rede. Die aber, glaubt die "safrangelbe Familie", sind nur zu gewinnen, wenn die Emotionen im Lande kräftig aufgemischt werden. Also schlägt man auf alles, was als "unindisch" gilt. Diesmal sind es nicht die Muslime, sondern die Christen: Ihre Kirchen werden angesteckt, Nonnen vergewaltigt und Heiligenstatuen zerschlagen. Und zertrümmert werden auch solche Kinos, die es wagen, den Film Fire zu zeigen, in dem es um eine lesbische Beziehung geht. Bewährt hat sich auch, den Erzfeind Pakistan ins Visier zu nehmen. Die erste direkte Buslinie seit 50 Jahren zwischen dem indischen Delhi und dem pakistanischen Lahore werde man verhindern, hieß es. Die Sturmtruppen Shivajis von der Shiv-Sena-Partei gingen sogar so weit, das Spielfeld für ein vorgesehenes Cricket-Match zwischen Indien und Pakistan unbrauchbar zu machen. Da fällt es jemandem wie Vajpayee schwer, Flagge zu zeigen. Er schwenkte sie zaghaft, als er seinen für Februar vorgesehenen Deutschlandbesuch absagte. Bonn hatte sich nämlich erkühnt, die Christenverfolgung zu kritisieren.