die zeit: Herr Graf, im Februar muß der Siemens-Vorstand den ungeduldigen Aktionären auf der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen, wie weit der im November angekündigte radikale Umbau des Konzerns gediehen ist. Nach den Vorstandsplänen sollen durch Ausgliederungen und Verkäufe rund 60 000 Mitarbeiter nicht mehr zu Siemens gehören. Mit bundesweiten Aktionstagen will die IG Metall um die Rechte der Betroffenen kämpfen. Was können Sie als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und Ihre Kollegen tun?

Alfons Graf: Erstens, die Arbeitsplätze werden durch die Ausgliederungen weder sicherer noch unsicherer. Zweitens wollen wir die Tarifstandards und die Beschäftigungsbedingungen der Siemens AG für die Betroffenen erhalten. Für einen Bereich, die Elektromechanischen Komponenten, gibt es dazu bereits eine Vereinbarung. Beim Bereich Halbleiter, der an die Börse gehen soll, haben wir weniger Sorgen. Bei den Bereichen, die verkauft werden sollen, ist für uns jedoch eines klar: Priorität muß die Sicherheit der Arbeitsplätze haben, es darf nicht allein um die Höhe des Verkaufspreises gehen.

zeit: Aber der Vorstand braucht doch dringend Geld in die Kasse.

Graf: Richtig, für die teuren Zukäufe der vergangenen Monate braucht der Vorstand viel Geld, und der Druck der Shareholder wächst ...

zeit: ... die Ratingagentur Moody's hat soeben die Bonität von Siemens herabgestuft, weil der Umbau angeblich zu langsam vorankommt. Dadurch verteuert sich die Kapitalaufnahme.

Graf: Das war nicht überraschend. Im Moment wächst bei Siemens der Geldverbrauch stärker als das Ergebnis.

zeit: Wird der Vorstand unter diesem Druck noch mehr Unternehmensteile abstoßen? Schon wird spekuliert, daß die verlustträchtige Verkehrstechnik ebenfalls zur Disposition steht.