Als eine beeindruckende bautechnische Innovation wird dieser Bau dennoch in die Architekturgeschichte eingehen. Normalerweise wäre es schier unmöglich gewesen, die vielfach gewellten und in sich verdrehten Außenwände aus Beton anzufertigen. Eine entsprechende Schalform, in die man den Beton schütten kann, wäre unverhältnismäßig teuer. Das neue, hier erstmals verwendete Verfahren erspart hingegen den aufwendigen Schalplan: Zuerst wird die Wand im Computer modelliert, in einem zweiten Schritt berechnet er die Negativform, um diese anschließend mit einer computergesteuerten Fräse aus einem Styroporblock herauszuschneiden. Dann wird die Schalform mit Beton ausgegossen, das fertige Mauerstück wird auf den Bauplatz transportiert und hier an der vorgesehenen Stelle montiert.

Es ist nicht ohne Pikanterie, daß sich diese Kombination aus industrieller Vorfertigung und Vorortmontage im Prinzip nicht von der Plattenbauweise unterscheidet, mit der vor allem in den Ländern des einstigen Ostblocks ganze Städte hochgezogen wurden. Der Preis für jene Optimierung war jedoch der Zwang zur absoluten Standardisierung im formalen Repertoire der Architektur. Erst das neue, von Gehry praktizierte Computer-Aided Manufacturing (CAM) ermöglicht es, das fordistische Denken in der Architektur zu überwinden. Der Düsseldorfer Zollhofkomplex könnte zur Inkunabel dieses Paradigmenwechsels werden. Von nun an stimmt das eherne modernistische Dogma nicht mehr, daß ein Gebäude um so preiswerter wird, je standardisierter die Teile sind, aus denen es besteht. Für den Computer macht es keinen Unterschied, ob er eine ebene oder hyperbolische Platte aus dem Styroporblock ausfräst. Da der Arbeitsvorgang vollständig automatisiert ist, bleibt der Herstellungspreis im wesentlichen gleich.

Über dem Ensemble ein Hauch von Schlumpfhausen

In diesem Punkt geht Gehrys Düsseldorfer Projekt sogar noch weiter als sein Silberfisch in Bilbao. So futuristisch sich die spanische Guggenheim-Dependance in ihrer kühnen Formgebung ausnimmt, so konventionell bleibt sie doch in der Konstruktion: ein Stahlgerüst, das innen ausgefacht und außen mit einer Verkleidung behängt wird. Gehrys wehende Wände in Düsseldorf lassen hingegen die Vision einer anderen Architektur erahnen, in der Konstruktion und Haut zu einer tragenden Hülle verschmelzen. Doch diesen letzten Schritt, den der österreichische Avantgardist Friedrich Kiesler mit seinem Endless House bereits in den dreißiger Jahren antizipierte, wollte oder konnte Gehry in Düsseldorf noch nicht tun. Obwohl massiv ausgegossen, tragen die Außenwände nur sich selbst und nicht die Last der Geschosse. Diese Funktion wird wie in einer ganz normalen modernen Baukonstruktion von etlichen runden Pfeilern übernommen, die direkt an der Innenseite der Außenwände plaziert sind.

Ein fader Nachgeschmack bleibt also nicht aus. Um so mehr als die Kluft zwischen Versprechen und Wirklichkeit in den beiden flankierenden Türmen noch stärker zum Ausdruck kommen wird (sie werden im kommenden Sommer von den Mietern bezogen). Im Verhältnis zu dem fast barock ondulierten Fassadenkleid des Mittelturms erscheinen ihre massigen Volumen ansatzweise plump und plastisch zu wenig differenziert. Ein Hauch von Schlumpfhausen schwebt über dem Ensemble. Aber vielleicht liegt darin auch der zukünftige gemeinsame Nenner der Hafenmeile als städtebauliches Experiment der neunziger Jahre. Mit Blick auf das Scheitern postmoderner Planungsexzesse wurde für das Gebiet um die Kaistraße auf einen sogenannten Masterplan verzichtet. Statt penibel Traufhöhen, Abstandsflächen und Geschoßflächenzahlen vorzuschreiben, vertraute man darauf, daß sich die Architektur ihren Stadtraum selbst erzeuge. Das Ergebnis fällt bislang ambivalent aus. Zu groß sind die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Bauten und zu narzißtisch buhlen sie häufig um die ungeteilte Gunst des Publikums.

Die Deregulierungsstrategie eines "weichen Planens" behält dennoch ihre Relevanz. Die Düsseldorfer Stadtplaner scheint hingegen der Mut verlassen zu haben: Für die weitere Entwicklung der Hafenmeile entlang der Speditionsstraße wurde wieder ein "richtiger" städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, obwohl bis dato kaum konkrete Nutzer noch deren Nutzungsvorstellungen bekannt sind. Herauskommen werden also viel Laufmeter sinnlos gefüllter Aktenordner - so etwas wird Thomas Rempen mit seiner "Meile der Medien und Kreativen" dann wohl doch nicht gemeint haben.