Karl Koch, Protagonist des gerade angelaufenen Films 23 - Nichts ist so wie es scheint, hat die Spezies der Computerhacker wieder ins Gespräch gebracht. Der Streifen beschreibt den realen Aufstieg und Fall des Computerfreaks, der sich in den achtziger Jahren vom KGB anwerben ließ und nach seiner Enttarnung tot und mit Drogen vollgepumpt in einem Berliner Waldstück aufgefunden wurde (ZEIT Nr. 3/99). Im Abspann wird ausdrücklich dem Chaos Computer Club (CCC), der größten Hackervereinigung Deutschlands, für seine Beratertätigkeit gedankt.

Inzwischen legt der Club allerdings immer weniger Wert darauf, mit dem Film und der Person Kochs in Verbindung gebracht zu werden. Er will weg vom Image der durchgeknallten, drogensüchtigen und immer am Rande der Legalität operierenden Computerkids. Bei einer Diskussion zum Thema "Hackerethik" während des alljährlich stattfindenden Chaos Communications Congress Ende Dezember in Berlin war man sich einig, daß sich der Club unbedingt stärker abgrenzen müsse von anderen Spielarten der Computerbegeisterung - etwa von den Crackern, die aus Gewinnsucht Schutzcodes von Software knacken, oder den Phreakern, die auf Kosten anderer Leute die Leistungen der Telefongesellschaften in Anspruch nehmen. Aber lassen sich die guten von den bösen Buben wirklich genau unterscheiden? Gibt es eine eigene "Hackerethik"?

Derartige Aufklärungsarbeit ist dem CCC in seiner bald 18jährigen Geschichte mehrfach gelungen. Den ersten spektakulären Hack schafften sie Anfang der achtziger Jahre beim Bildschirmtext (BTX) der Post: Sie konnten den Rechner der Hamburger Sparkasse mit Hilfe eines kleinen Basic-Programms dazu "überreden", eine ganze Nacht lang immer wieder die Seite des eigenen BTX-Angebots aufzurufen und dem CCC-Konto 100 000 Mark gutzuschreiben. Seitdem sind vor dem Hackerverein weder Nasa-Computer noch chipbestückte Telefon- oder Handykarten sicher: Für das "Klonen" der Handy-Chips gibt es auf der Web-Site des Clubs eine ausführliche Anleitung - natürlich "ausschließlich für Zwecke der Forschung und Bildung".

Auch auf dem CCC-Kongreß gab es viele als reine Informationsveranstaltungen deklarierte Workshops, in denen sich das überwiegend jugendliche Publikum einschlägig informieren konnte; zum Beispiel über Möglichkeiten, andere ans Internet angeschlossene Rechner "abzuschießen", also zum Absturz zu bringen. Derartige Attacken seien zwar relativ einfach, erklärte Felix von Leitner vom CCC, aber keineswegs zur Nachahmung zu empfehlen: "Don't try this at home!" Auch er beteuert, daß ein gestandener Hacker mit dem Zerstören von Infrastrukturen nichts am Hut habe. "Hacker sind lieb", so der Mittdreißiger. Er selbst hat längst Karriere in der Wirtschaft gemacht und überwacht im Moment die Rechnersicherheit einer amerikanischen Bankgesellschaft.

Unter den Hackern tobt der erste Generationskonflikt

Vielen seiner jüngeren Clubkollegen steht ein ähnlicher Karrieresprung bevor. Gefragt ist ihr Know-how nicht nur bei der Industrie, der sie Sicherheitslücken nachweisen. Selbst die Geheimdienste sollen bei dem einen oder anderen Hacker bereits angeklopft haben, um ihn zur Mitarbeit "auf der anderen Seite" zu bewegen. Und auch Politiker wenden sich immer öfter an die Freaks. Da fällt es manchem erfolgreichen Hacker schwer, den Bezug zur Realität zu halten, zumal die Medien längst jeder Hackertat viel Tinte oder Sendezeit widmen.

Zwei Pressesprecher, Andy Müller-Maguhn und Frank Rieger, sind daher vollauf damit beschäftigt, einerseits die Hackerkids von der Reportermeute abzuschirmen, andererseits das Bild des Hackers in der Öffentlichkeit positiv zu prägen und den Mythos vom modernen Robin Hood zu pflegen. Wenn er wieder einmal gefragt wird: "Was machen Hacker?", dann spricht der Medienexperte Müller-Maguhn von "sinnvollem und zukunftskompatiblem Handeln", von der Aufgabe, "die Welt mit unseren Fähigkeiten mitzugestalten". Man müsse ja auch an die 13- und 14jährigen Einsteiger denken und ihnen eine positive Vision vermitteln.