Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte in seiner Regierungserklärung versprochen, er werde die neuen Wege seiner Energiepolitik "mit der Energiewirtschaft" beschreiten - und nicht gegen sie. Und er hatte ausdrücklich betont, nicht der Ausstieg aus der Kernenergie stehe im Mittelpunkt, sondern "der Einstieg in eine zukunftsträchtige Energieversorgung".

Der Beitrag, den Umweltminister Jürgen Trittin bisher zu diesem Versprechen beisteuerte, hat wenig mit dessen ursprünglichem Inhalt zu tun. Das Vertrauen ist gründlich verspielt, das die Energiewirtschaft in Schröders richtige Erkenntnis gesetzt hatte, ein energiepolitischer Konsens zwischen ihr und der Regierung werde nur möglich, "wenn wir den reibungslosen Betrieb (der Kraftwerke) für die vereinbarte Restlaufzeit gewährleisten".

Das Erstlingswerk von Umweltminister Jürgen Trittin ist ungenügend. Dem Ausstieg aus der Atomenergie, einem Kernstück rot-grüner Politik, hat Trittin eher einen Bärendienst erwiesen. Darüber hinaus ist die Koalition erneut lädiert. Lädiert ist aber auch der Kanzler, der die Dynamik der Provokationen sichtlich zu spät erkannt hat.