Das Hotel Königshof bietet ein Frühstücksglück der besonderen Art. Gutgebaute Männer strekken den Gästen ihr entblößtes Gemächt entgegen. In einem schwulen Hotel hängen eben andere Bilder an der Wand als bei Ibis. Hier, mitten im Rotlichtviertel des Hamburger Stadtteils St. Georg, sollen Schwule sich wohl fühlen. Neben dem Abendblatt liegen die Szene-Postillen aus. Ein Blick in die Kleinanzeigen: "Harry's Live Sex Gruppen-Stöhn-Party" wirbt willige Hotline-Anrufer, ein schwuler Männerchor sucht Tenöre, ein "Schmusebär mit kleinem Bierbauch" den Mann fürs Leben: "Möchte Treue und mit Dir gemeinsam durch dick und dünn gehen."

Auch die beiden Königshof-Hoteliers haben sich durch eine Kontaktanzeige kennengelernt. Seit zwei Jahren sind der Holländer Erik Springer, 41, und Klaus-Werner Held, 35, Partner in Geschäft, Leben und Liebe. Wenn Held von Springer spricht, sagt er nicht "mein Freund", sondern "mein Mann" - damit alle wissen: "Das ist der, mit dem ich Tisch und Bett teile."

Springer ist alleiniger Eigentümer des Königshofs. 900000 Mark hat er in den Umbau des früheren türkischen Bordells gesteckt. Zwischen dem ruhigen Springer und dem beredten Held, der in der katholischen Pfarrei St. Bonifatius die Orgel spielt, läuft alles auf Vertrauensbasis. Held bekommt nicht mal ein Gehalt als Geschäftsführer. Bei einer Trennung hätte er keinen Anspruch auf eine Abfindung. Ein Recht auf Unterhalt wie in der Ehe gibt es für homosexuelle Lebensgemeinschaften ohnehin nicht. Die beiden Hoteliers leben wie Eheleute, vor dem Gesetz jedoch sind sie Alleinstehende.

Schwule und lesbische Paare sind in Deutschland zur wilden Ehe verurteilt. Der Weg zum Standesamt, der allein zu vielen Privilegien Zugang verschafft, steht ihnen bislang nicht offen - selbst wenn sie zusammenbleiben wollen, bis daß der Tod sie scheidet.

Liebt ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau, kann ein Gericht sie zwingen, gegeneinander auszusagen. Das Ehegatten-Splitting bei der Einkommensteuer ist schwulen und lesbischen Paaren ebenso verwehrt wie die gemeinsame Krankenversicherung. Auch die gemeinsame Adoption eines Kindes ist nicht möglich. Stirbt einer der Partner, kann der Vermieter dem anderen kündigen - auch wenn der sich vorher jahrelang um den Kranken gekümmert hat. Dem Zurückbleibenden steht kein Pflichterbe und keine Hinterbliebenenrente zu.

Selbst bei der Beerdigung befindet sich der Partner "in der Situation eines Garnichts", so der Hamburger Bestattungsunternehmer Thomas Münzel. Einmal tauchte die Familie des Verstorbenen bei ihm auf und beschwerte sich, daß der Name des Lebensgefährten auf der Traueranzeige stehen sollte. "Was fällt Ihnen ein, dieses schwule Schwein da raufzunehmen?" hieß es. Bei der Trauerfeier durfte der Freund des Toten nicht dabeisein - die späte Rache der Familie.

Bei Volkhard Leder und Marcio Soares sind nicht die Schwiegereltern das Problem, sondern das Ausländerrecht. Um einen Vortrag zu halten, war der Brasilianer 1992 nach Bremen gekommen. Dort traf er den Mann seines Lebens. Seitdem leben der 37jährige Soares und der gleichaltrige Leder zusammen.