Der Begriff "Patiententestament" ist unangebracht. Testamente sind Verfügung von Todes wegen - gerade dies sind die "Patientenverfügungen", wie sie allein richtig zu bezeichnen sind, eben nicht: Sie bringen zum Ausdruck, was ein - immer noch - Lebender will, daß mit ihm in seiner mutmaßlich letzten Lebensphase geschehen solle - so, wie er es geraume Zeit zuvor als seinen Willen formuliert hat. Präzise ausgedrückt: Die verfügende Person hat willentlich aufgezeichnet, was - aus ihrer damaligen Sicht - später mutmaßlich ihr Wille sein würde.

Zweck einer Patientenverfügung ist die weitgehende Wahrung der Selbstbestimmung des Patienten auch in einer Lage, in der er seinen Willen nicht mehr artikulieren kann. Die Formulierung hier bedürfte der Präzisierung: Gemeint sein kann sinnvollerweise nur der unwiederbringliche Verlust der Fähigkeit zur Selbstbestimmung. Es müßte also heißen: "Für den Fall, daß ich unwiederbringlich nicht mehr in der Lage sein sollte..." Auch die Formulierung "meine Angelegenheiten selbst zu regeln" ist zu allgemein. Es gibt Patienten, die zwar "entmündigt" sind und deshalb ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Sollte ihr Betreuer einen Behandlungsverzicht aussprechen können, ungeachtet eines Lebenswillens des Patienten? Es müßte also heißen: "meinen Willen auszudrücken".

Die einzelnen Verfügungsbestandteile sind zwar kasuistisch deutlich geordnet - ob umfassend, muß sich im Einzelfall zeigen. Problematisch bleibt der Begriff "lebenserhaltende Maßnahmen", der doch das eigentliche Ziel ärztlicher Tätigkeit bezeichnet. Besser wäre es, den Verzicht auf "sterbeverlängernde" Maßnahmen zu erklären. Der Wunsch nach einer menschenwürdigen Basisbetreuung - die Richtlinien der Bundesärztekammer zählen dazu: menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege, Lindern von Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie Stillen von Hunger und Durst - bedarf nicht der gesonderten Verfügung; er ist vielmehr selbstverständliche Aufgabe des Arztes.

Der Wunsch nach persönlichem und geistlichem Beistand wirkt an dieser Stelle - gerade angesichts seiner Selbstverständlichkeit - eher makaber; denn die vorausgedachte Situation ist doch die, daß der Patient zu einer Kommunikation mit der Umwelt gerade nicht mehr in der Lage ist. Beistand wäre allerdings schon bei der Abfassung einer solchen Verfügung höchst erwünscht.

Das Thema Obduktion und Organentnahme gehört nicht in den Zusammenhang einer Patientenverfügung. Jedenfalls darf der Autor einer solchen Verfügung nicht einmal entfernt den Eindruck bekommen, die Respektierung seiner Wünsche stehe in einem auch nur indirekten Zusammenhang mit einem Wohlverhalten im Interesse der medizinischen Wissenschaft oder Kunst.

Eine Patientenverfügung, die dem Arzt beim Ermitteln des mutmaßlichen Patientenwillens helfen soll, bedarf keiner Zeugen. Jedenfalls kann der Verfügung durch Zeugen kein Nachdruck verliehen werden, der die Verantwortung des Arztes aufheben könnte. Häufig wird empfohlen, die eigene Unterschrift unter der Verfügung gelegentlich - etwa alle zwei Jahre - mit Datum zu bekräftigen. So erhält der Arzt einen Anhaltspunkt für die Frage, ob der Patient seit dem Abfassen der Verfügung seinen ursprünglichen Willen überdacht hat. Der Formularcharakter ist ein Notbehelf. Ein besserer und die menschliche Situation einfühlsamer aufgreifender Text einer "Vorsorglichen Verfügung für die medizinische Betreuung" gibt es beim Zentrum für Medizinische Ethik, Ruhr-Universität Bochum, Gebäude GA 3/53, 44780 Bochum. Das abgebildete Formular kann von der Berliner Ärztekammer, Flottenstraße 28-42, 13407 Berlin, nur gegen einen mit drei Mark frankierten und adressierten Rückumschlag verschickt werden.