Der Geruch von geputzten Schuhen im Flur, als ich die Tür hinter mir schließe. Jemand ist hiergewesen, vor kurzem gegangen und hat mir seinen Geruch dagelassen. Ich schiebe die Hände in die Hosentasche und trage natürlich keine Waffe. Ich ziehe das Gesicht zusammen, wie Gerda, wie Harald. So sind wir einen Moment lang zu dritt, so gehöre ich einen Moment lang länger irgendwo hin. Ich fahre mit der Hand über den Rollschrank, der vor dem weißen Kachelofen steht. Der Rollschrank für Tagebücher, echte Tagebücher, das glaubt einem ja kein Mensch mehr. Der Ofen ist kalt, die Fußbodenheizung nicht. Warum ist mir der November ein Wurm im Ohr? Andere Monate sind kälter. Aber mir fällt nichts ein, was über den November und mich hier hinauskann. Schon trostlos, das. Wo ich nicht bin, passiert etwas anderes. Wo ich bin, passiert nichts. Nur Malta war schön. Da habe ich drei Singvögel von einem großen weißen Teller gegessen, und Xenia hat davon viele unscharfe Fotos gemacht.

Xenia.

Jetzt ist es zwanzig nach acht.

Ich setze mich an den Küchentisch und kritzele mit Kuli Tannenzweige auf die freien Ränder der Wertheim Wochenzeitung. Das mache ich sonst nur beim Telefonieren.

Und weil kein Anruf kommt, obwohl ich mache, was ich immer beim Telefonieren mache, improvisiere ich noch einen Eselskopf neben der Werbung für Chateauneuf-du-Pape, in dieser Woche nur 12,95 Mark im Angebot. Und als ich den Esel so sehe, denke ich, der gehört nicht in den Stall. Der gehört in eine Zeitmaschine. Ich entwerfe einen Kasten für ihn, den er auch mit diesem Kopf bedienen kann, mit Schaltpult für Handsteuerung, ziehe laut in Erwägung, daß die geheimnisvollen Kräfte dieser Maschine der Magie zeitloser Stoffe entspringen. Messing, Nickel, Quarz, Elfenbein und Ebenholz, und daß das Herzstück eine geheimnisvoll flimmernde spiralenförmige Antriebswelle aus Quarz sein soll. Ich bin romantisch, seitdem ich zurück bin, und bringe also noch zwei Hebel an, im Nichts. Einer führt in die Zukunft, der andere in die Vergangenheit. Ein Zifferblatt in der Mitte zeigt als Uhrzeit verkleidet die Gegenwart an.

Fünf vor neun.

Unten auf der Seite liegt ein hübsches Model im Bikini auf dem Rücken und winkelt das rechte Bein an. Ich fasse an ihr Knie. Denn das Knie ist der Sitz der Seele, sagen die Indianer.