London

Aus amerikanischer Sicht mag es logisch für Großbritannien erscheinen, den Euro zu akzeptieren und Teil der Währungsunion zu werden. Doch so attraktiv diese europäische Entwicklung auch aus der Entfernung aussehen mag, für diejenigen, die die Konsequenzen besser abschätzen können, steht das Experiment für viele Gefahren und Fragwürdigkeiten.

Nehmen wir die große Unwahrheit über den Euro, die Währungsunion sei nur eine wirtschaftliche Vereinigung. Sie sei nur eine Frage geschmeidiger, effizienter Märkte und einer soliden Wirtschaft, die von der politisch unabhängigen Zentralbank bestimmt würden. Niemand glaubt das.

Was immer auch einige britische Euro-Enthusiasten sagen, die Währungsunion ist ein großer Schritt hin auf die politische Union, und die hätte einen völligen Verlust der Souveränität Großbritanniens zur Folge. Helmut Kohl hat es 1995 ganz klar gesagt: "Wenn es keine Währungsunion gibt, dann kann es auch keine politische Union geben - und vice versa."

Ist die politische Integration Europas für Großbritannien möglich, und sollten wir Teil eines europäischen Einheitsstaates werden? Historisch, politisch und wirtschaftlich gesehen, lautet die Antwort: Nein. Ein solcher Schritt nähme uns sofort die Macht, unsere Zinsen und Steuern zu kontrollieren.

Unsere Institutionen, unser Justizsystem und unser Verständnis von Freiheit stehen der europäischen zentralistischen Tradition seit Napoleon fundamental entgegen. Außerdem sind wir nicht so abhängig von Europa, daß die Wirtschaftsunion unsere einzige Option wäre. Die britische Volkswirtschaft ist heute eine der stärksten in der Welt. Mehr als die Hälfte unseres Handels wickeln wir mit dem Rest der Welt ab. Und während Großbritannien die meisten Investitionen in Europa auf sich zieht, gibt es gute Gründe, zu sagen, Europa brauche uns mehr als umgekehrt.

Europa ist eine sozialistische Enklave, und sollten wir der Währungsunion beitreten, dann wären wir gezwungen, die Thatcher-Reformen außer Kraft zu setzen. "Steuerharmonisierung" ist die Devise der Europäer. Sie bedeutet, daß die britischen Steuern zu "niedrig" und "nicht fair" gegenüber dem Rest von Euro-Land seien. Meinungsumfragen zeigen, daß die Mehrheit nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland und anderswo gegen das Euro-Experiment ist. Der Euro und die europäische Integration werden zögernden Bevölkerungen durch politische Eliten aufgezwungen, deren große Pläne keinerlei Rücksicht nehmen auf die öffentliche Meinung. Der Euro ist ein nie dagewesener Versuch, ein Dutzend oder mehr Nationen ohne eine Tradition der Arbeitsmobilität oder eine gemeinsame Sprache politisch zusammenzuführen. Sie sollen von Brüssel durch nicht gewählte Kommissare geführt werden, die dafür sorgen werden, daß es "funktioniert", indem sie bei den Zielen mogeln und Daten verfälschen.