Die Banane macht Karriere: Die gelbe Frucht mutiert zum Symbol eines transatlantischen Kräftemessens, das endgültig in einen zermürbenden Handelskrieg zwischen den USA und der EU münden könnte. Am Donnerstag dieser Woche wollen sich Washingtons Diplomaten bei der Welthandelsorganisation (WTO) die Genehmigung zum Losschlagen erteilen lassen. Die Genfer Behörde soll US-Sanktionen auf europäische Exporte im Wert von 520 Millionen Dollar autorisieren. Kommen die Strafzölle zum Einsatz, drohen Tausende von Jobs in der EU vernichtet zu werden.

Zwar blockierten Anfang der Woche zwei winzige Karibikinseln, St. Lucia und Dominica, mit Brüsseler Rückendeckung das US-Begehren. Doch Washington läßt nicht locker. "Wir wollen auf jeden Fall die Autorisierung", droht die US-Botschafterin bei der WTO, Rita Hayes. Mit den Sanktionen soll die EU für ihre Bananenmarktordnung abgestraft werden. Brüssel bevorzuge Bananenimporte aus ehemaligen europäischen Kolonien und diskriminiere nach wie vor US-Multis wie Dole und Chiquita, die mit Früchten aus Lateinamerika handeln. So lauten die US-Vorwürfe.

Brüssel hatte das ursprüngliche Einfuhrregime nach einem WTO-Urteil zum 1. Januar geändert. Doch Washingtons Handelsstrategen sehen darin nur kosmetische Korrekturen. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen selbst europäische Diplomaten die protektionistischen Züge der neuen EU-Regelung.

Verluste erleiden auch die Konsumenten: Helga Kuhn von der Bonner Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände rechnet vor, daß die EU "die Bananen in Deutschland um rund ein Drittel verteuert". Immerhin verspeisen die über 80 Millionen Einwohner der Bundesrepublik über eine Million Tonnen der gelben Frucht pro Jahr.

Mit Hochdruck versucht nun WTO-Chef Renato Ruggiero in das Drehbuch des Bananenkrimis noch ein Happy-End zu schreiben: Die USA sollen so lange die Sanktionskeule ungenutzt lassen, bis ein neuer Ausschuß des WTO-Schiedsgerichts die Rechtmäßigkeit der EU-Bananenmarktordnung überprüft hat.

Egal ob Ruggiero die Streithähne noch disziplinieren kann, das Ansehen seiner WTO hat empfindlich gelitten. Sowohl die US-Handelsbeauftragte Charlene Barshefsky als auch der für den Außenhandel zuständige EU-Kommissar Leon Brittan beschuldigen die jeweils andere Seite, die WTO durch egoistische Politik "zu schädigen". Recht haben beide. Denn weder die EU-Bananenmarktordnung noch die Sanktionsgelüste der USA sind konsistent mit den WTO-Regeln.

Ihre Restautorität wird die WTO schon bald brauchen. Bezeichnen doch Handelsexperten den Bananenkonflikt als noch vergleichsweise harmlos. Zum nächsten Showdown dürfte der Hormonfleisch-Fall werden. Die WTO hatte im Februar 1998 nach einer US-Klage entschieden, daß das EU-Importverbot für hormonbehandeltes Fleisch aus Nordamerika gegen internationales Handelsrecht verstößt. Bis Mai 1999 hat Brüssel Zeit, das Urteil umzusetzen. Alles deutet jedoch darauf hin, daß die EU ihr Einfuhrregime kaum entscheidend ändert. Die USA haben schon mit Sanktionen gedroht. Als wäre das noch nicht genug, wollen die Amerikaner den EU-Markt zum Jahresende mit genetisch manipulierten Lebensmittel versorgen. Um das Novel food zu verhindern, brüten in Brüssel Juristen bereits über Abwehrstrategien. Eine Serie von heißen Konflikten zwischen den Handelsriesen USA und EU bei der WTO ist jetzt vorprogrammiert.