Man kann nicht unbedingt behaupten, daß die amerikanische Irak-Politik von Weitsicht getragen wäre. Am Sonntag erst hatte die Arabische Liga auf einer Sondersitzung in Kairo den irakischen Wunsch abgelehnt, sich für eine Aufhebung der UN-Sanktionen gegen Bagdad einzusetzen. Die Ablehnung war so deutlich, daß der irakische Außenminister die Konferenz vorzeitig verließ. Selten zuvor stand Saddam Hussein in der arabischen Welt so isoliert da wie jetzt. Anstatt jedoch aus dieser Isolation politisch Kapital zu schlagen, setzt Washington lieber seine bisherige Strategie fort, mit Hilfe von Luftangriffen seinen Mangel an klaren Konzepten im Umgang mit Bagdad zu kompensieren. Am Montag, einen Tag nach der Konferenz in Kairo, trafen amerikanische Bomben ein Wohnviertel der südirakischen Stadt Basra und töteten mindestens elf Zivilisten. Offenbar aus Versehen, aber das macht die Toten nicht wieder lebendig.

Ob dergleichen Luftangriffe, die weniger dem Völkerrecht als dem Faustrecht geschuldet sind, die irakische Bevölkerung von den Vorzügen westlicher Demokratien zu überzeugen vermögen, sei dahingestellt. Ohne Notwendigkeit hat Washington dem irakischen Diktator erneut einen propagandistischen Vorwand geliefert, sich der arabischen Öffentlichkeit einmal mehr als unbeugsamer Kämpfer gegen Zionismus, Imperialismus und sonstige Unbill zu empfehlen. Dieses Spiel hatte die Konferenz in Kairo unmißverständlich durchkreuzt. Die Regierung in Washington darf sich rühmen, den alten Spielstand wieder hergestellt zu haben.