Einen kleinen Sieg über den Bundesfinanzminister haben Wirtschaftsminister Werner Müller und sein Parlamentarischer Staatssekretär Siegmar Mosdorf errungen. Oskar Lafontaine wollte die Ausgaben für die Luftfahrtforschung, für die der Bund im vergangenen Jahr 120 Millionen Mark ausgegeben hat, in den kommenden Jahren auslaufen lassen. Der SPD-Chef wollte nur noch die alten Rechtsverpflichtungen abwickeln, die sich von 1999 bis 2002 auf 160,5 Millionen Mark summieren.

Müller und Mosdorf setzten dagegen durch, daß ein neues Forschungsprogramm aufgelegt wird. Neben den alten Verpflichtungen werden neue Mittel in Höhe von 240 Millionen bewilligt, also für vier Jahre insgesamt 400,5 Millionen Mark. Daneben stellt der Bund Verpflichtungsermächtigungen von 90 Millionen Mark bereit. Außerdem fließen aus dem neuen EU-Rahmenprogramm 350 Millionen Mark nach Deutschland, mehr als doppelt soviel wie im vorherigen EU-Programm. Mosdorf, zugleich Koordinator für die Luftfahrtindustrie, verweist auf die guten Chancen der Branche. Das neue Forschungsprogramm falle in eine Phase, in der Europas zivile Luftfahrtindustrie mit Airbus zum erstenmal weltweiter Marktführer geworden sei. Ein Schwerpunkt der Anstrengungen soll denn auch auf der Entwicklung des Airbus-Megaliners (A3XX) liegen. Mit einem leisen, treibstoffsparenden Großraumflugzeug, das bisher in der Produktpalette fehlt, könnte Airbus seine Wettbewerbsposition stärken. Weitere Forschungsfelder sollen in die Entwicklung lärm- und schadstoffarmer Antriebe, alternativer Antriebssysteme und eines neuen Navigationssystems für Rettungshubschrauber liegen.

Gleichzeitig hat Mosdorf gegenüber der Industrie durchgesetzt, daß ihr Finanzierungsanteil von 50 auf 60 Prozent steigt. Während früher der Bund allein die verbleibende Hälfte übernommen hat, sollen sich in Zukunft Bund und begünstigte Länder einen Anteil von 40 Prozent teilen. Bayern, Hauptnutznießer der Luftfahrtprogramme, mault zwar über die neue Regelung. Hintergrund: Zu Zeiten des CSU-Chefs und Finanzministers Theo Waigel war das Land besonders reich bedacht worden. Mosdorf hält es aber für "richtig, daß sich die Standorte auch selber engagieren müssen".

Spöttisch Vor permanenter Fundamentalkritik an der neuen Bundesregierung hat kürzlich Martin Kohlhaussen gewarnt, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. Doch manche Menschen machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Industrieverbandschef Hans-Olaf Henkel zählt dazu. Auf der traditionellen BDI-Gala in Bonn erklärte er, warum der Saal in den Farben Blau-Grün gehalten sei: Grün sei die Farbe der Hoffnung, und angesichts der ersten Leistungen der rotgrünen Koalition müsse man feststellen, daß es nur noch besser werden könne. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe ihn kürzlich gefragt, warum er so fröhlich wirke. Er, Henkel, habe geantwortet: Früher waren alle gegen mich, heute ist es nur noch die Bundesregierung.