Zehn Uhr vormittags, beste Arbeitszeit. Ich stehe im Flur vor einem Korb Wäsche, lege Hemden, Pullover, Taschentücher zusammen. Was gehört wem? Ich habe sechs Kinder. Sie werden beim Sortieren helfen müssen, wenn sie aus der Schule kommen. Also lege ich alles erst mal auf den Tisch, auf dem schon die Körbe stehen, die ich mitnehmen will, wenn ich nachher Erdbeeren hole.

Es ist wunderbar still im Haus. Eine oder zwei Stunden könnte ich jetzt "richtig" arbeiten. Aber ich bin sehr zufrieden, meine Welt ist rund. Ich verrichte etwas, das jeder andere auch tun könnte, eine unbezahlte Hilfsarbeit, für die ich keine Ausbildung habe und offensichtlich auch keine brauche.

Meine Frau ist zur Kur. Ich bin nun der Hausmann und genieße diese ruhige Stunde am Vormittag, in der ich das beste aller Alibis dafür habe, nichts machen zu müssen, sondern nur so dazusein und mich von den mir zufallenden Aufgaben durch den Tag tragen zu lassen. Was für ein strotzend guter Mensch ich bin. Mir ist, als spielte ich die Hauptrolle in einem Waschmittelwerbefilm. Nun die Bettwäsche der Kleinen, die ich nachts grob gespült und in die Maschine gesteckt habe und, als die Schulkinder frühstückten, in den Trockner. Jetzt kann ich sie schon zusammenlegen. Heißa.

Esther-Hasi, meine Vierjährige, kam weinend nach Mitternacht, die eine Hand vorm Mund, die andere auf dem Bauch, ihr Bett vollgebrochen. Ich gab ihr Tee. Sie mußte noch mehrmals brechen in dieser Nacht und tat mir schrecklich leid. Ich versuchte, den Schaden zu begrenzen, und lief doch immer wieder mit Waschlappen, Handtüchern und Bettwäsche durchs Haus. Jetzt ist diese demütige Mattigkeit in mir. Sie hat im Schwimmbad zuviel Chlorwasser geschluckt, sie ist zu mutig, will alles, was ihre großen Geschwister können, will "schwimmen", den Hals gereckt, auf Zehenspitzen im großen Kinderbecken. Ich hätte sie den Großen nicht mitgeben dürfen, die achten zuwenig auf sie. Der letzte Kissenbezug, eigentlich müßte man das bügeln ...

Solange sie schläft, kann ich kurz aus dem Haus, um Zwieback zu besorgen; wenn sie aufwacht, will sie bestimmt etwas essen. Ich kann sie gesund machen, zumindest kann ich mir einbilden, sie gesund zu machen. Ich bin kein Arzt, und sie erholt sich von selbst, aber sie ist auf meine Fürsorge angewiesen. Daß ich da bin, wenn sie erwacht. Die Erdbeerkörbe nehme ich mit. Bin gleich zurück, sag' ich der Katze.

Aufs Rad und zum Supermarkt, außer Zwieback noch Brot, Müsli, Milch, Puddingpulver, hab' ich noch Fencheltee? Zwiebeln, Kartoffeln, Eier, Apfelmus. Ich werde Puffer machen und Pudding mit Erdbeeren zum Nachtisch. An der Kasse vor und hinter mir Frauen, außer mir nur ein Mann in der Halb-elf-Uhr-Reihe: ein trunksüchtiger Alter. Brave Männer arbeiten um diese Zeit ...

Am Ausgang machen drei Parteifrauen hausarbeitsfeindliche Wahlwerbung. Sie drücken mir einen Zettel in die Hand. "Wir können mehr, als für den Kochtopf und die Kinder dazusein", steht darauf. Ich sage zu ihnen: "Wie kann man das auf eine Ebene stellen - den Kochtopf und die Kinder? Ihr versaut damit das Image der Hausarbeit, dabei ist Hausarbeit so verdammt wichtig. Daß sie jemand auf sich nimmt und gut macht, bedeutet, daß wir anderen ein Zuhause haben. Ist Hausarbeit langweilig? Dann kann man sie doch kurzweilig machen ..." Die Damen feixen, ich schreite wacker von hinnen.