Los Angeles Judy Woodruff, Moderatorin von CNN, brachte die Situation auf den Punkt: "Nach der Werbepause sind wir wieder da, um Ihnen zu zeigen, was wir zeigen können über die Ereignisse im Senat." Und das war: nichts.

Die Senatoren hatten das Schlimmste getan, was man in einer Mediendemokratie tun kann: Sie hatten die Fernsehkameras ausgesperrt. Hinter verschlossenen Türen berieten sie den ganzen Abend lang, ob sie Clinton freisprechen, verurteilen oder vorher noch Monica Lewinsky, Betty Currie und Vernon Jordan als Zeugen hören wollten.

Das Fernsehen reagierte genau so, wie es in einer Mediendemokratie reagieren muß: Es berichtete weiter, obwohl es nichts zu berichten gab. Eine kurze Weile lang gab es Nachrichten aus der großen, für viele Amerikaner entsetzlich fremden und unheimlichen Welt da draußen - dann redeten wieder die üblichen Verdächtigen über die üblichen Impeachment-Fragen. Impeach TV ist Heim-TV. Es hat etwas Beruhigendes, noch einen früheren Clinton-Berater, eine Exstaatsanwältin oder einen angesehenen Exreporter der Washington Post verkünden zu sehen, daß der Senatsprozeß diese Woche in seine entscheidende Phase trete. Man kann die einschlägigen Sendungen vom Bügeltisch aus verfolgen, ohne Gefahr zu laufen, vor Aufregung das neue Hemd zu ruinieren. Zu den schönsten Erlebnissen dieser letzten Bildschirmnachmittage zählt die Begegnung mit den Verteidigern des Weißen Hauses: Charles Ruff, David Kendall und die clevere Cheryl Mills sind ein Team, das problemlos jede Fernsehserie stemmen könnte. Denn dies ist das erste und wichtigste Gesetz im Medienzeitalter: Was man einmal gesehen und gemocht hat, das will man wiedersehen, bis zum bitteren Ende im Senderarchiv oder Spätprogramm.

So breitet sich allmählich eine trügerische Normalität über das Unerhörte und Einmalige. Nur selten dringt ein Ton echter Bitterkeit durch die Fassade hochlöblichen Betragens, welche die hundert weißen Senatoren vor den Augen ihrer multiethnischen und religiös gespaltenen Nation aufgespannt haben. Die Abstimmung werde "als Schande weiterleben", sagte der demokratische Senator Tom Harkin am Montag abend nach der Entscheidung seiner Kollegen, unter Ausschluß der Öffentlichkeit weiterzuberaten. Es waren dieselben Worte, mit denen Franklin Roosevelt dem Land vor 58 Jahren die Niederlage von Pearl Harbor bekanntgegeben hatte. So darf man hoffen, daß hinter den verriegelten Türen des Senats endlich jene politische Schlacht geschlagen wird, die dieser Prozeß in Wahrheit ist.

Hören wir zum Abschluß noch einmal CNN. "Dies hier ist keine Fernsehshow", sagte Chefkommentator Jeff Greenfield jüngst bei Larry King live. "Es ist im Fernsehen, aber es ist Politik. Es ist ernst. Manchmal tut es gut, jemandem zuhören zu müssen, der länger als dreißig Sekunden redet." Sprach's und blickte zu Moderator King, der die nächste Werbepause ansagte: "Wir sind gleich wieder da - bleiben Sie dran!" Manchmal ist das Fernsehen eben sein eigener Kommentar.

Nächste Woche mehr! Bleiben Sie dran!