Wie begrenzt ihre Macht ist, bekommt die Bundesregierung ausgerechnet dort zu spüren, wo es am meisten schmerzt. Arbeit zu schaffen ist ihr wichtigstes Ziel, und wenn ihr das nicht gelingt, hat sie es auch nicht verdient, wiedergewählt zu werden. So sagte es Gerhard Schröder noch im Frühherbst. Mittlerweile klingt manches kleinlauter. Unter bestimmten Umständen, sinniert bisweilen Bundesarbeitsminister Walter Riester, könnte es schon ein Erfolg sein, wenn es am Ende der Legislaturperiode nicht mehr Arbeitslose gebe als heute. Populär ist das nicht, realistisch schon. Gegen die erschlaffende Konjunktur und die Krisen des Weltmarktes helfen keine Wahlversprechen.

Helfen soll dagegen das ominöse Bündnis für Arbeit, Nukleus der Schröderschen Programmatik. Tatsächlich ist der Versuch aller Ehren wert, die Beteiligten im Kampf um neue Jobs zu vereinen, denn im Alleingang lassen sich die komplexen Probleme des Arbeitsmarktes kaum lösen. Doch schon zeigt sich, wie schwierig das ist, und meßbare Erfolge wird es alsbald nicht geben. Das erste Treffen Anfang Dezember war eine geschickte Inszenierung, wenigstens ein bißchen Aufbruchstimmung schwappte durch das Land, niemand tanzte aus der Reihe. Acht Arbeitsgruppen sollen nun dafür sorgen, daß bei den Treffen am Tisch des Kanzlers mehr herauskommt als guter Willen.

Hinter den Kulissen wird wacker gearbeitet, doch auf der Bühne schlägt man schon wieder aufeinander ein. Mittlerweile beharken sich die Partner mit öffentlichen Drohungen, die ganze Veranstaltung platzen zu lassen, wenn sich der jeweils andere nicht wohl verhält. Beim nächsten Treffen am 25. Februar werden drei der beteiligten Gewerkschaften in Tarifkonflikten stecken - unter anderem mit der Bundesregierung, die als öffentlicher Arbeitgeber weder viel Geld noch neue Jobs zu bieten hat. Kein gutes Omen für die gemeinsame Suche nach einem Konsens, zumal den Funktionären ihre eigene Rolle im Zweifel wichtiger ist als der nationale Pakt.

Das eben ist das Risiko, wenn sich die Bundesregierung bei ihrer wichtigsten Aufgabe auf Kreativität und Kompromißfähigkeit von Verbands- und Gewerkschaftsvertretern verläßt. Das Bündnis für Arbeit bleibt das ehrgeizigste Projekt der Regierung Schröder - und ist doch nicht viel mehr als ein Hoffnungswert.