Wer sich noch immer zu den Anhängern der deutschen Tarifpolitik zählt, braucht ein ziemlich dickes Fell. Die Arbeitgeber der Metallindustrie machten nun ein Angebot, das unter den eigenen Versprechungen vom vergangenen Monat bleibt. Im Dezember hatte Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe indirekt 2,5 Prozent mehr Geld offeriert, jetzt sollen es nur noch 2 Prozent sein, ergänzt jeweils durch weitere Komponenten. Ein taktisches Angebot nennt man das wohl, eines also, das nur für den Papierkorb bestimmt ist. Das mag alten Ritualen entsprechen, doch die Regeln der Logik strapaziert es schon arg.

Die IG Metall reagiert drehbuchgemäß mit Abscheu und Empörung und heizt durch halbstarke Sprüche die Stimmung in den Betrieben weiter an, die sie nach eigener Aussage ohnehin kaum noch kontrollieren kann. So steuern beide munter auf einen Arbeitskampf zu, den die Arbeitgeber nicht gewinnen können, der aber auf lange Sicht auch der Gewerkschaft schaden kann. Dies alles ausgerechnet jetzt, da das Bündnis für Arbeit vertrauensvolle Zusammenarbeit verlangt. Obendrein orientieren sich auch andere Branchen, allen voran der öffentliche Dienst, an den Metallern. Man nimmt die Forderung der IG Metall von 6,5 Prozent, zieht demütig einen Punkt ab, und fertig ist die Lohnzahl, die notfalls auch "erstreikt" werden soll.

Damit das alles nicht im Debakel endet, ein paar bescheidene Empfehlungen: Die Arbeitgeber sollten bald ein Angebot präsentieren, das dem entspricht, was sie ohnehin zu zahlen bereit sind. Vor vier Jahren hatte sich Gesamtmetall durch Sturheit in eine Sackgasse taktiert. Die Folgen waren ein unnötiger Streik, ein hoher Abschluß und die Krise des gesamten Verbandes. Das muß sich ja nicht unbedingt wiederholen.

Die mächtige IG Metall wiederum sollte nicht ganz so hasenfüßig sein, wenn es um ertragsabhängige Lohnbestandteile geht. Andere Branchen und viele Einzelbetriebe sind da mutiger, und von einer schamlosen Ausbeutung der Werktätigen ist dort wenig zu hören. Bisweilen, raunen Gewerkschafter, soll dergleichen sogar Motivation, Identifikation und damit den Spaß bei der Arbeit fördern. Und es sind ja Regelungen denkbar, die sicherstellen, daß nur jene Betriebe weniger zahlen dürfen, die es wirklich bitter nötig haben - und bereit sind, ihre Bücher offenzulegen.

Wenn all dies gelingt, werden die Anhänger der Tarifpolitik das deutsche System der Lohnfindung weiterhin unverdrossen für das beste der Welt halten. Versprochen ist versprochen.