Rot-Grün in Bonn, das ist - für Europa jedenfalls - "die Generation nach Kohl". Also fragen die 14 Partner nicht nur, was das neue, mächtige Deutschland mit dem Kontinent so vorhat. Sie schauen auch genau hin, wie Schröder, Fischer und Lafontaine es (und sich) anstellen.

Oder sich aufführen: Allem voran irritiert die schnoddrige, bisweilen rüde Diktion des Kanzlers selbst. Daß Deutschland zuviel in die EU-Kasse zahlt, sieht längst jeder ein. Aber wie Gerhard Schröder aus Bonns "verbratenen EU-Beiträgen" daheim Kapital zu schlagen versucht, beunruhigt. Sein nur vages Bekenntnis zur Osterweiterung, sein lakonisches Versprechen, unter deutschem Vorsitz die Reformen der "Agenda 2000" zu vollenden - all das erweckt den Eindruck: Da kennt einer seine lästigen Pflichten. Mehr nicht. Wirklich ereifert hat sich Schröder bisher nur, als es beim Abendessen des Wiener EU-Gipfels galt, Butterfahrten und Duty-free-Shops zu retten.

Der Ton macht die Musik. Das lernte auch Oskar Lafontaine, der sich doch so viel vorgenommen hat mit Europa. Seine Mission, den Euro durch mehr Zusammenarbeit bei Wirtschafts- und Steuerpolitik zu stützen, überzeugt in Brüssel mehr als in Bonn. Aber, bitte schön, warum immer dieser belehrende Zungenschlag, dieser Hang zum Oberlehrer? Daß Lafontaine dann noch in Urlaub fährt statt zur Geburtsfeier des Euro in der EU-Hauptstadt, notierten die Kollegen mit leiser Häme.

Sie üben noch, arbeiten sich fleißig ein. Bonns neuer Wirtschaftsminister wie auch sein Kollege für Arbeit und Soziales sammeln dafür erste Anerkennung. Daß Deutschlands Generation nach Kohl jedoch, jenseits aller Sachzwänge und Tagesordnungen, Europa wirklich gestalten will - dieses Sentiment konnte bislang nur der Außenminister wecken. Joschka Fischers Vorstoß für mehr Demokratie und Bürgerrechte, für ein starkes politisches Europa hat, ganz nebenbei, auch Bonn und Paris wieder einander nähergebracht.

Französischer in den Zielen, britisch-nüchterner im Stil - es sind blasse Striche, die Rot-Grün in der EU gezogen hat. Der Widerspruch zwischen Form und Inhalt muß sich noch auflösen. Ohne klare Linie, ohne Handschrift wird sich nur schwer europäische Politik machen lassen.