Ich hätte wetten mögen, er würde antworten: BMW. Aber nein, er sagte Jaguar. Ein Engländer, gleich ob jung oder alt, der auf Qualität und Luxus Wert lege, so erklärte er mir geduldig, fahre eben einen Jaguar. Und natürlich sei er Kunde von Dunhill, meinte er lächelnd. Womit wir beim Thema waren.

Ashley Lloyd Jennings ist ein Bilderbuchengländer. Er hat, das mag ihn von seinen bläßlichen Landsleuten unterscheiden, einen dunklen Teint, einen gepflegten, ins Graue changierenden Bart, trägt Schuhe, deren Preis zu erahnen ist, dunkle Flanellhose und ein Jackett, das seinen Träger als sportiven Typ ausweist. Nennen wir ihn der Einfachheit halber bei seinem Vornamen.

Ashley also ist der kreative Kopf von Dunhill, und um es vorwegzunehmen: Nicht die Zigarettenmarke Dunhill ist gemeint, die gehört zu einem anderen Konzern, sondern Ashleys Dunhill ist das traditionsreiche, über 100 Jahre alte Unternehmen Alfred Dunhill Limited, das anfangs Bedarfsartikel für Reiter und Automobilisten herstellte und heute auf dem Wege ist, Englands bedeutendste Marke für Luxusgüter zu werden, wenn sie es denn nicht schon ist.

Ashley ist in seinem Element. Im Souterrain der Londoner Zentrale, eines Hauses, dessen Architektur vom Art-déco-Stil geprägt ist, zeigt er uns die Jacken, T-Shirts, Hemden, Krawatten, Socken, Mäntel, Hosen, die unsereinem und jedem Leser dieser Zeilen ohne Zweifel gut anstünden. Er ist verliebt in die neue Kollektion - erst seit den siebziger Jahren produziert Alfred Dunhill Herrenmode -, kramt da etwas hervor, animiert dieses zu befühlen und jenes. Gediegen wäre der falsche Ausdruck, alles ist sehr englisch natürlich, aber mit einem ganz besonderen Pfiff, der sich in der Qualität der Stoffe zeigt, in den Farben und Mustern, erst auf den zweiten Blick extravagant. Nicht altbacken und ohne jeden Schick, wie Miss Marples Engländer daherkommen. Der unvermeidliche Dufflecoat, der zum Inventar jeder besseren Hamburger Familie gehört, beispielsweise ist nicht aus steifem blauen Tuch, sondern aus schmeichelndem Kaschmir.

Du brauchst es nicht, aber du mußt es haben

Ashley und sein Chef Callum Barton, ein lustiger Schotte, haben sich ein großes Ziel gesteckt: Sie wollen Alfred Dunhill London zu einem weltweiten Markenzeichen des modernen Englands machen. Die grauen Mäuse, die in London, Frankfurt am Main, Tokyo oder New York in Banken und Büros oder in Flugzeugen ihre Einheitsmonturen durchwetzen, sollten, ginge es nach Ashley und Barton, nicht mehr so langweilig ausstaffiert sein. Und das sei eben nur durch Topqualität zu erreichen. Besonders stolz präsentiert er einen "Busineßanzug", der auch den längsten Flug und jede Autofahrt knitterfrei übersteht.

Ashley hat schon recht. In Alfred Dunhills Flaggschiff in Londons Jermyn Street/Ecke Duke Street kann unsereiner so ziemlich alles finden, was er braucht, wenn er es denn bräuchte. Angefangen mit der unvermeidlichen Baseballkappe, die wohl auch in Londons City den Bowler bald abgelöst haben wird, bis zum Schlafanzug. Er findet auch Ingredienzen für die Rasur, er findet Schreibutensilien, Füller aus Carbonfiber, die einen Montblanc recht alt aussehen lassen, Feuerzeuge, Armbanduhren, Brieftaschen, Krawattennadeln, Manschettenknöpfe, alles aus edelstem Material und alles Sachen, die ein großer Junge haben muß, auch wenn er sie eigentlich nicht benötigt und anderswo - sicher in anderer Qualität - wohl preiswerter haben könnte.