Sippenhaft gibt es nicht in diesem Land. Deshalb wollen wir uns beim Namen Benjamin auch nicht an die "rote Hilde" erinnern, die in leitenden Funktionen der DDR-Justiz zum Synonym für stalinistische Willkür wurde. Ein merkwürdiges Rechtsverständnis ist indes auch ihrem Sohn zu eigen. Der Arbeiter-und-Bauern-Staat ein Unrechtsgebilde? Nein. Das neue Mitglied des PDS-Vorstands verteidigt sogar den Mauerbau. Als "völkerrechtlich zulässige ... Maßnahme, die damals zur Entspannung in Mitteleuropa beitrug ..."

Wer solche Parteifreunde hat, braucht keine Feinde. DDR und Rechtsstaat - diesen Vergleich hätte Michael Benjamin in der Tat besser gemieden. Aber die Mauer und Entspannung? "Jede Gewalt beruht auf Schwäche", wußten bereits die altgriechischen Philosophen. Das Berliner Betonmonstrum hätte ihnen als Beleg dienen können. Wo täglich an die tausend Menschen aus der DDR flohen, blieb den SED-Herrschern wahrscheinlich nichts anderes übrig, als einzukerkern. Vielleicht haben sie, zynisch genug, damit der Entspannung zwischen Ost und West gedient. Im Sinne des Rechts jedoch handelten die Mauerbauer nicht. Das ist ihnen inzwischen oft vor Gericht bescheinigt worden. Eine Chance für Benjamin, sein Rechtsempfinden zu aktualisieren. Er sollte die einschlägigen Urteile studieren.