Man muß Fidel Castro nicht als revolutionäre Lichtgestalt verehren, um es widerlich zu finden, wie Alina Fernández, seine Tochter, ihn in ihren Memoiren mit Kübeln von Unrat überschüttet. Der kubanische Revolutionsführer, "Comandante" genannt, hat gewiß seine Schwächen. Er ist ein Macho. Die Frauen, die ihm nahestanden, wie Alinas Mutter, Natalia Revuelta, mit Kosenamen "Naty", haben es nicht leicht gehabt. Fidel Castro war und ist mit der Revolution "verheiratet". Ein "geordnetes" Familienleben war ihm immer fremd. Er hat sich zu seinen Frauen und Kindern stets nur "auf einen Sprung" gesellt und sie oft genug im Stich gelassen. Von seinen politischen "Sünden" ganz zu schweigen: vom brutalen Umgang mit Andersdenkenden, den "hausgemachten" (plan)wirtschaftlichen Strukturdefekten und der ideologischen Hartleibigkeit. Es ist von Fidel Castro wahrlich nicht sehr menschenfreundlich, an der fürchterlichen Alternative festzuhalten "Sozialismus oder Tod".

Ihn aber deshalb als Monster darzustellen, als den Leibhaftigen in Menschengestalt, wie es die Autobiographin auf anekdotische Weise tut, ist dann doch ein wenig zuviel des Schlechten. Alina F. klagt über "eine Menge psychosomatischer Störungen", die sie, die 1956 geboren wurde, im Laufe ihres Lebens bis zu ihrer Flucht von der Insel durchlitten hat. Darunter: seelische Verstopfung, die in der Kindheit und Jugendzeit ihre lyrischen Ergüsse hemmte. Die hat sich aber mittlerweile offenbar gelöst. Darauf lassen jedenfalls die Fäkal-, pardon, Verbalinjurien schließen, mit denen sie ihren Vater bedenkt. Die Liebesbriefe, die er mit ihrer Mutter "Naty" Mitte der fünfziger Jahre aus dem Gefängnis heraus gewechselt hat, tut sie als "parfümierte Kacke" ab. Als "Traube von Affen" beschreibt sie das Bild, das die bärtigen Rebellen nach dem Sturz der Batista-Diktatur Anfang Januar 1959 beim Einzug in Havanna abgegeben haben. "Der wichtigste Affe": Fidel Castro. Ein anderer "Affe": Ché Guevara. Dessen Frau, so die Autorin, "sah aus wie eine große Kröte". Celia Sánchez, die Vertraute Castros, geistert als "persönliche Hexe" und "Giftspritze" durch Alinas Memoiren. Und so weiter und so fort.

Die bittere Ironie, das einzige, was sie erzählerisch einigermaßen beherrscht, schlägt immer wieder in Haßtiraden um. Da bleibt nur wenig Raum für die Beschreibung des politischen Geschehens und des sozialen Szenariums auf der Insel, in deren Zeichen die Autorin aufgewachsen ist. Es heißt nur immer egozentrisch: "Ich, Alina". Auf Seite 115, wenn die Autorin kolportiert, daß zur kubanischen Rinderzüchtung "Fidel seine Gene beigetragen haben soll", ist, jedenfalls für den Geschmack des Rezensenten, das Maß voll.

Alina Fernández drischt mit dem ganzen Haß "einer verletzten Geliebten", einer vernachlässigten Tochter, die nur gelegentlich zu mitternächtlichen Gesprächen in den Präsidentenpalast gerufen wurde, auf den Vater ein. Besser, sie hätte ihre vatermörderischen Allüren mit sich und ihrem Psychoanalytiker ausgemacht, statt sie der Öffentlichkeit zuzumuten.