Für mich ist die Retortenbefruchtung ein problematisches Verfahren und das Embryonenschutzgesetz daher dringend erforderlich. Die diesem Verfahren unterworfenen Frauen werden über Wochen und Monate einer Vielzahl von technischen Manipulationen ausgeliefert. Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, daß sie mit Abstumpfung reagieren. Sie schalten ihr Gefühl aus und unterdrücken ihr Körpererleben. Sie stehen unter ständigem Erfolgsdruck und haben Angst vor Mißerfolg.

Um die Erfolgsquote nicht noch weiter absinken zu lassen, werden stets zwei bis drei Embryonen gleichzeitig übertragen. Die Folge ist, daß häufiger als normalerweise Mehrlinge geboren werden. Mehrlingsgeburten erfordern oft Frühentbindungen durch Kaiserschnitt und Brutkastenaufzucht der Frühgeborenen. In der Folge bringt die Versorgung und Erziehung der Mehrlinge eine gefühlsmäßige, körperliche und materielle Überforderung der Eltern mit sich, die wiederum gehäufte kindliche Entwicklungs- und Verhaltensstörungen nach sich zieht.

Die Kosten der Retortenbefruchtung, bezogen auf eine Lebendgeburt, werden auf circa 50 000 Mark geschätzt.

Die Methode macht Keimzellen, befruchtete Eizellen sowie Embryos in allen Entwicklungsstadien zum Objekt jeglicher Manipulation. Eine Geschlechtsbestimmung, die Ermittlung von genetischen Merkmalen sind möglich und können zur Selektion verwendet werden. Darüber hinaus ist eine genetische Manipulation der Ei- und Samenzellen und der befruchteten Eizelle möglich geworden und schließlich das Klonen, die Erzeugung identischer Nachkommen, oder Herstellung von Schimären, Mischwesen, die durch Vereinigung verschiedener Arten entstehen.

Im Gespräch mit Ehepaaren, denen die Reagenzglasbefruchtung zur Behebung der Kinderlosigkeit empfohlen wurde, rate ich von dieser Methode nach ausführlicher Information ab und versuche die Kinderlosigkeit mit den Ehepaaren zu verarbeiten und andere Wege zu einem sinnerfüllten Leben zu suchen.

Dr. Klas Mildenstein Laatzen

In seiner Forderung nach Präimplantationsdiagnostik in Deutschland verschweigt uns Hans Schuh, daß auch dieses Verfahren eine Pränataldiagnostik nach sich zieht, da durch PID nicht sämtliche Krankheiten ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus verweigert der Autor jegliche Auseinandersetzung mit ethischen Problemen im Rahmen der PID. Eine Abtreibung nach PND ist nicht deswegen (prinzipiell) moralisch vertretbar, weil es "verfahrensbedingt" machbar ist, sondern deshalb, weil ein Schwangerschaftskonflikt bei gegebenen Umständen vorliegt. Diese Begründung liegt auch der rechtlichen Situation (Paragraph 218) zugrunde. Für die PID ist sie offensichtlich nicht übertragbar. Hier geht es um die Frage, ob es zulässig ist, eine in vitro befruchtete Eizelle bei positivem genetischen Befund zu verwerfen.