Bau es auf, dann kommen sie", deklamierte Kevin Costner in dem Film Field of Dreams. Er machte sich daran, einen Baseballplatz in die Maisfelder des Bundesstaates Iowa zu setzen; die Zuschauer würden schon strömen. "Stell es hin, sie werden kommen", hatten vor ihm schon andere Amerikaner gesagt, die Dörfer und Städte, Stadien und Vergnügungsparks aus dem Boden stampften - immer in der Hoffnung auf Besucher, Bewohner und das große Geld. Bugsy Siegel, der Gangster und Träumer aus Hollywood, sah Las Vegas wachsen, bevor noch der erste Stein auf dem anderen stand.

"Bau es auf, dann kommen sie", proklamieren jetzt eine Handvoll Grundstücksmakler, einige Politiker und ein paar Wirtschaftsförderer im tiefen Süden von New Mexico, nahe der texanischen Stadt El Paso, kurz vor der mexikanischen Grenze. Staub wirbelt bei jedem Windstoß durch die Luft, außer Hasen und Mäusen lebt hier nicht viel. Aber das soll sich ändern. Mitten in der Einöde, sagen die Werbeschriften der Santa Teresa Development Corporation, sollen Straßen gebaut, Häuser, Fabriken und Geschäfte errichtet werden. Dies wird eine Stadt, verspricht das Unternehmen.

Wahrscheinlich bedarf es des unerschütterlichen amerikanischen Optimismus, um daran zu glauben, daß aus einer kargen, kahlen Steppe eine belebte Wirtschaftszone werden kann. Bisher steht nur ein einsamer Grenzposten, an dem ein Dutzend amerikanischer Zollbeamter Lastwagen aus Mexiko abfertigt. Eine Straße zur Interstate 10, der großen Verbindung zwischen Amerikas Westund Ostküste, existiert ebensowenig wie eine Tankstelle oder ein Einkaufszentrum. Aber all das soll kommen - wenn nicht morgen, dann übermorgen.

Der Grund für den Optimismus ist Nafta, das nordamerikanische Freihandelsabkommen, das aus der Grenzregion zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden eine Boom-Zone gemacht hat. Auf der mexikanischen Seite beschäftigen inzwischen knapp 3000 maquiladora-Fabriken - Betriebe, die allein für den Export produzieren - über eine Million Menschen. In Ciudad Juarez, der Schwesterstadt von El Paso, werden täglich allein 50 000 Fernseher hergestellt; Industrieproduktion und Population nehmen hier jährlich um fünf Prozent zu. Damit wachsen auch die Infrastrukturprobleme. Die drei Brücken, die zwischen Juarez und El Paso den Rio Grande überqueren, werden Tag für Tag von über 1000 Lastwagen passiert.

Santa Teresa und seine neue Zollstation sollen Entlastung schaffen. Er hoffe, daß Handel und Verkehr auch dem Rest der Ökonomie in der staubigen Südostecke des Bundesstaates ordentlich Schub geben werden, meinte New Mexicos Senator Pete Comenici bei der Eröffnung des Grenzpostens. Verkehrsstaus gibt es an der früheren Viehverladestation nicht. Lastwagen, die 20 Meilen östlich die Strecke von Juarez nach El Paso nur einmal täglich schaffen, können die Grenze in Santa Teresa zwei- oder dreimal pro Tag passieren. Die Transportkosten sinken damit um ein Fünftel.

Dazu wird ein paar Meilen nördlich des Zolls eine zweite Spur der Eisenbahnstrecke nach Long Beach in Kalifornien gebaut. Großzügige staatliche Hilfe hat eine Handvoll Betriebe in einen kleinen Industriepark gelockt, der zur Keimzelle eines ganzen Gewerbegebietes werden soll. Dann sei es nur noch eine Frage der Zeit, bevor die ersten Wohnhäuser, Swimmingpools, Geschäfte und Restaurants gebaut werden, verspricht ein Vertreter der Entwicklungsgesellschaft. Tausend Jobs sollen in zwei Jahren geschaffen werden - genug für ganze Wohngebiete. Der Mann ist sicher: Der Dollar rollt.

Freilich gibt es ein paar Hindernisse. Im Süden versprechen die Mexikaner eine bessere Straße zwischen Juarez und Santa Teresa, die allerdings bisher nur auf dem Reißbrett existiert. Im Norden ziert sich Texas mit der Anbindung an die Interstate 10. Im Osten schielt El Paso mit Argusaugen auf den möglichen Konkurrenten um Industrieansiedlungen und Arbeitsplätze. Und überall tobt der alte Kampf um Wasser.