Eigentlich sollte man meinen, daß der Freistaat Sachsen andere Sorgen hat, als sich eine potente Bank zuzulegen. Finanzminister Georg Milbradt sieht das nicht so. Er will eine "wettbewerbsfähige, ertragsstarke und zukunftsträchtige öffentlich-rechtliche Finanzdienstleistungsgruppe" aufbauen. Nur: Das Vorhaben stößt auf den erbitterten Widerstand der privaten Banken. Sie drohen mit Verfassungsklage, weil sie den Wettbewerb gefährdet sehen.

Bislang kann sich die Landesregierung auf die Landesbank (SachsenLB) stützen, die je zur Hälfte dem Freistaat und den sächsischen Sparkassen gehört. Daneben kümmert sich die Sächsische Aufbaubank (SAB) als landeseigene Förderanstalt um den Aufschwung Ost in Sachsen. Die SAB nimmt hoheitliche Aufgaben wahr, macht also dem Privatsektor keine Konkurrenz. SachsenLB und SAB sollen jetzt unter einem Dach zusammengebracht werden, bereichert um die 23 Sparkassen des Landes. Das Ganze nennt sich "Sächsische Verbundlösung" oder schlicht Sachsenbank.

"Das Ziel muß sein, wichtige Entscheidungen über sächsische Unternehmen in Sachsen zu treffen", fordert die Landesregierung. Eine potente landeseigene Bank könne als regionales Institut schneller und kompetenter entscheiden als der Vorstand einer Großbank in Frankfurt. Was die privaten Banken dabei besonders stört, ist der potentielle Zugriff der geplanten Sachsenbank auf eine Fülle von hochinteressanten Daten. Wenn eine private Bank Fördermittel des Freistaats für ihre Kunden beantragt, landet dieser Antrag bei der Aufbaubank. Die bekommt so auch Einblick in die Darlehenskonditionen der Kreditinstitute.

Im Rahmen der Verbundlösung gerieten diese Daten womöglich in die Hände von Landesbank und Sparkassen, die ihr Geschäft in Konkurrenz zum privaten Bankensektor machen. Der Informationsvorsprung wäre also beträchtlich, Wettbewerbsneutralität würde zum frommen Wunsch. Ergo verlangen die privaten Banken, die Sächsische Aufbaubank aus der Holding herauszulassen.

Daß andererseits die Sparkassen Milbradts Begehrlichkeit wecken, ist verständlich. Im Juni 1998 verwalteten sie in Sachsen Einlagen von fast 58 Milliarden Mark, die der Kreditbanken lagen bei lediglich 20 Milliarden. Aber die Ausleihequote der Sparkassen liegt bei höchst bescheidenen 40 Prozent, während die Kreditbanken auf fast 180 Prozent kommen. Das soll sich nun ändern.

Doch die Sparkassen bangen um ihre Unabhängigkeit. Denn die Holding soll auch ihre Geschäftspolitik bestimmen und bindet ihnen so die Hände. In den Schalterhallen geht unterdessen die Angst vor Entlassungen um. Rund 4000 der 14 000 Arbeitsplätze seien in Gefahr, warnt Helmut Beckmann von der DAG Sachsen. So schaltete sich Ministerpräsident Kurt Biedenkopf in die Diskussion ein und beteuerte in einem Brief an die Mitarbeiter der Sparkassen sowie an Landräte und Oberbürgermeister, "daß es im Zusammenhang mit der Neuordnung des Sparkassenwesens keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird".

Bisher sind offensichtlich 13 Kommunen bereit, ihre Sparkasse einzubringen. An der Spitze marschiert Leipzigs SPD-Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee - die Holding soll ihren Sitz in seiner Stadt nehmen. Dresden hingegen organisiert eine Bürgerbefragung, Chemnitz, Meißen, Görlitz und Zwickau bestehen auf Eigenständigkeit. Schon im März will Milbradt seine Sachsenbank unter Dach und Fach haben. Doch wenn sich eine Handvoll Sparkassen dem Verbund entzieht, wird er wohl scheitern.