Kein Nachfolger Helmut Kohls, hat Wolfgang Schäuble der taz in einem langen Gespräch verraten, könne von vornherein dessen Autorität und Ansehen haben. "Also gibt's dann auch offenere Situationen." Grundlegendere Fehler habe er "eigentlich nicht" gemacht. Die einen klagen, es werde zu viel diskutiert, die anderen schimpfen über zu viele einsame Entscheidungen. Das Echo ist widersprüchlich, da hat Schäuble recht.

Gleichwohl, das Vermeiden großer Fehler ist auch nur die halbe Miete, wenn das grundlegend Richtige fehlt. In der Ausländerpolitik schnappt die Falle zu. Wenden die Wähler sich ab, bleibt der Makel, auf Ressentiments geschielt zu haben, dennoch an Schäuble haften. Bestärken sie die Union, wird sie die Geister nicht mehr los, die sie gerufen hat.

Diese Widersprüche kleben nun zäh an Schäuble. Der geringste mag noch sein, daß er sich weiter als Gegner von Volksentscheiden präsentiert, weil komplizierte Fragen sich nicht auf ein Ja oder Nein reduzieren ließen und solche Entscheide im Zweifel nicht innovationsfreundlich sind. Schäuble behauptet, er habe Stoiber mit seinem Vorschlag zu der CDU-Aktion nur einen "Ausweg" aus der Debatte um den Volksentscheid bieten wollen.

Stoiber gerettet und was bekommen? Schäuble: Die Stände der Rechtsradikalen von nebenan seien leer, "die Leute unterschreiben bei uns". Sie könnten es also nicht "zum Zwecke der Ausländerfeindlichkeit ausnutzen". Und zu welchem Zwecke nutzt es die CDU? Wo ist Schäubles "Dienst am inneren Frieden", wenn man die Berichte aus den Innenstädten der Republik über die heftig umstrittene Aktion liest? Schäuble sattelt nun kleinen Fehler auf kleinen Fehler. Hinter dem "Akt der Provokation", dem Gesetzesentwurf der Regierung, vermutet er auch noch Konspiration. Manche könnten die Absicht verfolgen, "auf diese Weise die Rechtsradikalen zu stärken".

Das ist - nach der langen Vorgeschichte des Gesetzes - kein ernstzunehmendes Argument aus dem Mund eines Mannes, den man ernst zu nehmen gelernt hat. Nein, solche Verschwörungsgedanken sind selbst schon extrem. Zuwenig ist mit dem Satz erklärt, kein Nachfolger Kohls hätte es leicht. Die Autorität, die Schäuble erwarb, hätte er nur behalten können, wäre er sich treu geblieben in seiner neuen Rolle. Das war seine kleine Chance.