Indische Künstler haben einen eigenen Begriff für die Essenz, das Wesentliche eines Gegenstandes: rasa. Glaubt man dem in Indien geborenen amerikanischen Neuropsychologen Vilajanur Ramachandran, dann haben seine kunstbegabten Vorfahren ein schlichtes Gesetz der Reizverarbeitung im Gehirn umgesetzt. Es lautet: Ziehe alles Unwesentliche von einem Reiz ab und verstärke den Rest. Die Gültigkeit dieser Regel, in Fachkreisen als Peak-Shift bekannt, glaubt Ramachandran am Beispiel indischer Tempelreliefs nachweisen zu können: "Die Darstellungen sind anatomisch betrachtet völlig unglaubwürdig", gibt der Forscher zu bedenken. "Und dennoch wirken sie schön." Der Trick: Die Künstler haben das Spektrum weiblicher Positionen analysiert und das Spektrum männlicher Stellungen subtrahiert. "Wenn man dann den Rest verstärkt, wird das Gehirn extrem gereizt. Es scheint, als hätten die Künstler gewußt, wie man das neuronale Geschehen im Hirn besonders wirkungsvoll stimuliert." Ergebnis: erotische Ekstase oder auf gut indisch: kama rasa.

Eine Ausweitung der Aids-Therapie würde zwar einem größeren Kreis von Aids-Kranken helfen, insgesamt jedoch die Epidemie in den USA sogar noch bedrohlicher werden lassen. Zu diesem paradoxen Ergebnis kommt Sally Blower, Mikrobiologin an der University of California in San Francisco, auf der Basis von mathematischen Modellen. Ihre Rechnungen ergaben: Je mehr Patienten therapiert werden, desto eher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, daß Medikamente unregelmäßig eingenommen werden und Patienten ärztlich nicht optimal betreut werden. Das wiederum führe zur verstärkten Ausbreitung therapieresistenter Aids-Erreger, was insgesamt gesehen die Heilungsrate senkt. "Die Behandlung muß sehr sorgfältig durchgeführt werden", mahnt Blower. "Vor allem aber sind riskante Sexualpraktiken weiterhin tabu. Sonst haben wir keine Chance."

Den Dialog zwischen Religion und Wissenschaft möchte auch die AAAS mit einem eigenen Programm fördern. Dafür gibt es schließlich kräftig Fördergelder von der gottesfürchtigen John-Templeton-Stiftung. Und so versucht der Biologe Francisco Ayala, der früher kräftig gegen die bibelstrengen "Kreationisten" wetterte, nun einen mutigen Spagat: Einerseits verteidigt er die Evolutionstheorie als Fundament des biologischen Weltverständnisses. Andererseits kommt er seinen religiösen Zuhörern entgegen, indem er die wissenschaftliche Sichtweise als "hoffnungslos unvollständig" bezeichnet. In Ayalas Weltbild ist also noch Platz für Gott. Allerdings dürfe ein göttlicher Einfluß nicht herhalten, "um die Löcher im wissenschaftlichen Verständnis des Universums zu füllen". Sein Wort in Gottes Ohr.

Morphium an Frösche verteilt der Pharmakologe Craig W. Stevens von der Oklahoma State University. Sein Ziel: ein neues Versuchstier für die Schmerzforschung zu finden. Bislang müssen hauptsächlich Ratten und Mäuse für die oft peinvollen Experimente herhalten, die zu neuen Erkenntnissen in der Schmerzforschung führen sollen. Frösche dagegen seien sowohl in ethischer als auch ökonomischer Hinsicht vorzuziehen, meinte Stevens: Erstens fehlten ihnen jene Teile des Säugetiergehirns, die beim Menschen ein subjektives Schmerzerlebnis vermitteln, der Kortex und das limbische System. Sprich: Frösche nehmen vermutlich ihren Schmerz nicht bewußt wahr und leiden daher weniger. Zudem bekommt man zum Preis einer Versuchsratte bereits sechs Frösche. Die ersten Ergebnisse von Stevens stimmen hoffnungsvoll: Spritzte er seinen nordamerikanischen Grasfröschen verschiedene schmerzlindernde Drogen wie Morphium, Methadon oder Kodeine und prüfte dann deren Wirkung, indem er einen Tropfen ätzende Essigsäure auf den Froschschenkel tröpfelte, so stieg die Drogenwirkung mit zunehmender Dosis an. Zugleich wirkten jene Drogen am stärksten, die auch beim Menschen am besten anschlagen.