die zeit: Sie räumen ab sofort Ihren Mitgliedsfirmen ein fristloses Kündigungsrecht ein, falls denen ein Tarifabschluß nicht paßt. Warum?

Manfred Kreutel: Wir müssen den Betrieben, die durch einen völlig überhöhten Tarifabschluß in eine wirtschaftliche Notlage geraten, die Möglichkeit geben, den Verband und damit die Tarifbindung zu verlassen, bevor weiterer Schaden entsteht. Wir sind eine freiwillige Vereinigung und können niemand Steine in den Weg legen, der dem Tarifdiktat entkommen will und ohne uns besser zurechtkommt.

zeit: Jeder Tarifvertrag trägt auch die Unterschrift der Arbeitgeber. Ist das Ganze nicht ein Mißtrauensvotum gegen Ihre eigenen Verhandlungsführer, vor allem die im Westen?

Kreutel: Nein, wir sind ja in die Verhandlungen voll einbezogen. Wir können nur nicht ausschließen, daß die IG Metall einen Crashkurs fährt, wir können keinen vernünftigen Abschluß garantieren.

zeit: Fürchten Sie nicht den "Häuserkampf" der IG Metall?

Kreutel: Ach, diese Kraftmeierei der IG Metall, da steckt nicht viel hinter. All die Firmen, die bislang schon aus dem Flächentarif geflohen sind, wurden entweder von der Gewerkschaft ganz in Ruhe gelassen oder konnten günstigere Haustarife abschließen. Mit ihrer überzogenen Tarifpolitik gräbt sich die IG Metall selbst das Wasser ab und zerstört damit den Flächentarif.

zeit: Es scheint, daß auch die Arbeitgeberverbände im Osten in Selbstauflösung sind und sich als Totengräber des Flächentarifs versuchen.