die zeit: Sie fordern eine neue Globalpolitik. Was dürfen wir darunter verstehen?

Wolfgang Reinicke: Seit der industriellen Revolution herrscht eine bestimmte Arbeitsteilung zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Nun werden diese Grenzen niedergerissen. Im traditionellen Rahmen kann der Staat das öffentliche Interesse nicht mehr durchsetzen. Also müssen die Privaten so beeinflußt werden, daß sie für das Gemeinwohl tätig werden.

zeit: Gilt das auch für Unternehmen?

Reinicke: Niemand hat mehr Interesse an einer gut funktionierenden Weltwirtschaft als die Konzerne. Zwar streben sie nach Shareholder value, aber gleichzeitig sind sie auch die größten Stakeholder der Globalisierung.

zeit: Sie setzen sich für weltweite Netze ein, die zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufgespannt werden. Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Reinicke: Ich stelle mir zum Beispiel ein Politiknetz für die Gentechnik vor. Daran sollten die zehn größten Life-Science-Firmen teilnehmen, die Weltgesundheitsorganisation, einzelne Länder mit besonderem Interesse, NGOs und Wissenschaftlerkreise. Die Weltbank könnte als Plattform fungieren und die Entwicklungsländer mit Wissen versorgen, damit sie wirklich am Dialog teilnehmen können.

zeit: Was sollen die Teilnehmer erreichen?