Es ist soweit: Am Samstag wird das große EU-Gewinnspiel wieder eröffnet. Zu gewinnen gibt es eine lebenslange Zahlung von gut und gerne 7000 Mark monatlich, mit regelmäßiger Aufstockung. Dazu kommen Vergünstigungen und Extras - und ein Wohnsitz in Brüssel. Kurz: Es geht um Beamtenstellen bei der Europäischen Kommission.

Den Jobs in der Brüsseler Bürokratie eilt der Ruf voraus, ein europaweit einmaliges Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Ob es das ist, was im vergangenen Jahr 30 000 junge Akademiker dazu motivierte, weder Kosten noch Mühen zu scheuen und an einem Auswahlverfahren der Europäischen Kommission teilzunehmen, das einige Besonderheiten in bezug auf Regeln und Anforderungen aufweist?

30 000 Kandidaten zu testen ist eine logistische Herausforderung ersten Ranges. Bereits im September vergangenen Jahres hatten sich die Teilnehmer zu einem ersten "Vorauswahltest" bei den europaweit über 40 Testzentren einzufinden, wo sie von insgesamt 630 EU-Beamten empfangen wurden. Die hatten, je nach anvisierter Karriere und Sprachkenntnissen der Kandidaten, fast 100 unterschiedlich zusammengestellte Prüfungspakete parat - überwiegend mit Multiple-choice-Fragen zu Interna der Union, die den durchschnittlichen Akademiker sowenig interessieren wie die Farbe der Schnürsenkel von Prinz Charles. Testfrage? "Der Europäische Rat sitzt in Brüssel, tagt aber zuweilen auch in Luxemburg. Wann? - Im April und Juni oder im Oktober, November und Dezember oder vielleicht im April, Juni und Oktober?" Wer bei solchen Fragen brillierte, die Bedeutung von EU-Kauderwelsch à la Comenius, Leonardo, Sysmin oder Lingua kannte und zahllose Zahlen zur EU im Kopf hatte, der hätte eigentlich zusammen mit weiteren 1900 Kandidaten nach Brüssel zur nächsten Runde fahren dürfen, die aus einem ausführlicheren schriftlichen Test besteht. Diesem Test wäre dann - erfolgreiche Teilnahme vorausgesetzt - noch Test Nr. 3 gefolgt, eine mündliche Prüfung (wieder in Brüssel). Insgesamt sollen von den über 30 000 Bewerbern europaweit rund 500 Kandidaten ausgewählt werden. Diese werden aber nicht etwa eingestellt, sondern lediglich auf eine "Reserveliste" gesetzt. Aus dieser schließlich rekrutiert die Kommission dann neue Beamte - bei Bedarf und zu gegebener Zeit.

Allerdings: Die erfolgreichen Kandidaten wären zu weiteren Tests eingeladen worden. Werden sie aber nicht. Denn es wurde leider geschummelt. Und das gleich in der ersten Runde. Dem Vernehmen nach kannten einige Italiener bereits vor dem Test die Fragen. Die Kommission hat daher entschieden, für kommenden Samstag nochmals alle 30 000 Kandidaten zu den EU-Testzentren zu laden, wo sie nochmals 630 EU-Beamte treffen und nochmals Multiple-choice-Fragen lösen. Das große EU-Gewinnspiel ist wieder eröffnet!