Wo ist Deutschlands kundenfreundlichstes Bordell? Im leichtlebigen Holland weiß jeder, welches Freudenhaus spitze ist. Tester haben das dort genau geprüft. Hierzulande hingegen warten die Bundesbürger vergebens auf den großen Puff-Test. Eigentlich erstaunlich. Krankenschwestern, Tropfenfänger, Babywindeln - außer Sex gibt es wohl nichts, das sich die Stiftung Warentest nicht schon einmal vorgenommen hätte.

Und längst testet die Stiftung nicht mehr allein. Man braucht bloß in die Presse zu schauen. Insbesondere in die Finanzpresse. Wo sich der Leser früher mit langatmigen Analysen und Betrachtungen herumquälen mußte, stehen heute übersichtliche Tabellen. Auf einen Blick erkennt der Leser die billigste Bank, die teuerste Versicherung. Wer Bundesligatabellen oder Hitparaden versteht, versteht jetzt endlich auch den Wirtschaftsteil seiner Zeitung.

Auch die Unternehmen freuen sich. Schon weil jeder neue Test die Umsätze hochschnellen läßt. Egal, ob es sich um Erdbebenversicherungen handelt oder um Halterungen für Zahnpastatuben. Mal suchen die Tester nach dem billigsten, mal nach dem saubersten und mal nach dem freundlichsten Anbieter. So steht jeder mal an der Spitze, und keiner muß klagen.

Deshalb brauchen Testergebnisse nicht allzu ernst genommen werden. In der Regel kann man sowieso nichts damit anfangen. Vor allem, wenn's um Geld geht. Die Tester gehen nämlich von Standardsituationen aus - von einem Girokonto mit 150 Bewegungen im Jahr, einem Kontoauszug im Monat und einer EC-Karte zum Beispiel. Was aber, wenn ein Kunde nur 63 Bewegungen hat, jedoch zwei Auszüge und eine Extrakarte für seine Frau?

Dennoch, die Tests haben einen hohen Unterhaltungswert. Es ist immer wieder ein erhabenes Gefühl, wenn die eigene Bank siegt. Ein klein wenig Ruhm fällt dann für einen selbst ab. Wirklich ernste Fragen werden allerdings nicht gestellt. Zum Beispiel, ob die getesteten Objekte überhaupt einen Sinn haben. Dabei würde sich das bei manchen Versicherungen oder Fonds geradezu anbieten. Bei Freudenhäusern sowieso.