Kreta könnte bald eine neue Touristenattraktion haben. In der Nähe der berühmten Samaria-Schlucht im Süden der Insel wollen deutsche Unternehmen Europas größtes Sonnenkraftwerk bauen. Von 2002 an sollen 50 Megawatt Strom - das entspricht einem Siebtel des kretischen Spitzenverbrauchs - produziert werden. Nicht Solarzellen, sondern riesige verspiegelte Rinnen mit parabolförmigem Querschnitt werden die Sonnenstrahlen einfangen. In ihrem Brennpunkt wird ein Rohr montiert, in dem ein sogenanntes Thermo-Öl fließt. Über einen Wärmetauscher erhitzt es Wasserdampf, der eine Turbine antreibt. Das Kraftwerk mit dem stolzen Namen Theseus (Thermal Solar European Power Station) funktioniert also beinahe wie ein fossiles Kraftwerk. Nur daß die Energie nicht aus einem Brenner kommt, der Kohle, Öl oder Gas verfeuert, sondern von der Sonne.

In Kalifornien hatte die Zukunft der Solarthermie schon einmal begonnen. Mitte der achtziger Jahre stellte die israelisch-amerikanische Firma Luz International ein Kraftwerk nach dem anderen in die Mojave-Wüste. Doch 1991, nachdem neun Anlagen mit einer elektrischen Leistung von insgesamt 354 Megawatt gebaut worden waren, fand der Boom ein jähes Ende. Der Ölpreis war gesunken und mit ihm die Bereitschaft, in regenerative Energie zu investieren. Heute liefern die Sonnenkraftwerke in der kalifornischen Wüste deutlich mehr Strom als sämtliche Solarzellen der Erde zusammengenommen. Die Technik aber schlummert seit dem Bau der Anlage im Dornröschenschlaf.

Nach einer vom Bundesforschungsministerium finanzierten Studie könnten allein Ägypten, Algerien, Libyen und Marokko solarthermische Kraftwerke mit einer Leistung errichten, die fast dem Vierfachen des derzeitigen Weltstromverbrauchs entspricht. In dieser Rechnung sind nur solche Standorte berücksichtigt, die nicht weiter als 50 Kilometer vom Straßennetz entfernt sind. Bis 2010 könnten nach einer Prognose des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) solarthermische Anlagen mit der Kapazität von sieben großen Atomkraftwerken gebaut werden.

Solarthermie ist erheblich billiger als Photovoltaik

So einfach das Prinzip klingt, aus der Hitze der Sonne Strom zu machen, so kompliziert ist seine Technik. Die eisenfreien, präzis gebogenen Spiegel, die für Kalifornien allesamt die Firma Pilkington Flabeg im bayerischen Furth im Wald herstellte, müssen in der Wüste extreme Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht aushalten. Damit die Strahlung stets senkrecht auf sie einfällt, werden die gut fünf Meter breiten Rinnen elektronisch dem Sonnenstand nachgeführt. Bei Sandstürmen werden sie gekippt, so daß die Öffnung zum Boden zeigt. Das sieben Zentimeter starke Edelstahlrohr im Brennpunkt der Rinnen hat eine spezielle schwarze metallisch-keramische Beschichtung, um so viel Energie wie möglich aus den Sonnenstrahlen herauszuholen. Damit die Wärme nicht entweicht, steckt das Rohr in einem zweiten, luftleeren Rohr, das aus lichtdurchlässigem Quarzglas besteht.

Der Bau von Sonnenkraftwerken ist bisher nicht an technischen Problemen gescheitert, sondern an den hohen Kosten. Die Investitionen sind deutlich höher als bei Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen - für Kreta rechnen die Planer mit Investitionen in Höhe von 240 Millionen Mark. Zwar entfallen später die Brennstoffkosten, doch die Zinslast drückt.

Die Kilowattstunde soll bei Theseus 17 Pfennig kosten (der deutsche Kleinverbraucher zahlt gegenwärtig zwischen 20 und 25 Pfennig). Die kalifornischen Betreiber rechnen mit 20 Pfennig pro Kilowattstunde. In den Abendstunden treiben sie mit Gasbrennern ihre Turbinen an. Allerdings dürfen in der Mojave-Wüste höchstens 30 Prozent des Stroms fossil erzeugt werden. Ohne solche Vorschriften ließen sich die Kosten senken. Denn je mehr Stunden im Jahr eine Anlage läuft, desto schneller amortisiert sie sich.