Die Nötigung wird beginnen in den Nachmittagsstunden des 22. Februar 1999. Die Bildschirme der deutschen Fernsehapparate werden sich verdunkeln, bis nur noch eine schwarze Fläche zu sehen ist. Dann wird, aus dem Nichts heraus, eine tiefe, lüsterne Männerstimme ihre Forderungen nennen:

Hoch vom Sofa. Und direkt vor den Fernseher knien. Keine Widerworte. Los jetzt. Ganz weit auf den Mund.

Ein dickes, langes Ding wird ins Blickfeld kommen, wird seine Außenhaut zurückschieben.

Jaa. Mmh. Pick Up ist neu. Pick Up hat diese herrlich dicke, richtig knackige Schokolade. Und jetzt: Tun Sie's! Mmh.

Seit zwei Jahren hat man bei der Keksfirma Bahlsen in Hannover auf diesen Höhepunkt hingearbeitet. Vom 22. Februar an sollen sich über drei Jahre hinweg 100 Millionen Mark in Pick-Up-Spots ergießen. Unter Einsatz aller Mittel will der alte Onkel Bahlsen, der bislang für sein solides Gebäck bekannt war, in den Riegelmarkt eindringen. Weg da, Duplo und Hanuta, Mars und Snickers, Corny und Nuts: Platz für neues Backwerk!

Sie könnten schon wieder? Gut. Aber schön knien bleiben. Pick Up! Die Macht des Knack.

Vergangene Woche in Köln, Internationale Süßwarenmesse. 1400 Aussteller aus aller Welt. Auch Bahlsen ist da. Mit dem größten Stand von allen. 800 Quadratmeter, 200 Mitarbeiter, 1 Riegel. Das Traditionsunternehmen will es allen und sich selber zeigen: die Abwendung vom herkömmlichen Keks, die Entwicklung "einfacher, überzeugender Lösungen für den Zwischendurchverzehr".