Lichttechnisch gesehen geht es nach Sonnenuntergang auf unseren Straßen zu wie anno dazumal. Da zukkeln immer noch die Autos wie zur Postkutschenzeit mit vier Positionsfunzeln herum und stochern im Dunkeln. Nachts passieren auf den Straßen mehr als doppelt so viele tödliche Unfälle wie tagsüber.

Nun will sich nicht jedes Land - wie Bel- gien - eine Rund-um-die-Uhr-Illuminierung der Autobahnen leisten. Außerdem herrscht die entsetzlichste Finsternis ohnehin auf kurvigen Landsträßchen in waldigen Tälern. Keine Frage: Das Autolicht muß besser werden. Besser heißt aber nicht nur heller, sondern auch schlauer und kommunikativer. Autoindustrie und Lampenhersteller arbeiten daran.

Variables Bremslicht gegen den Stau aus dem Nichts

ALC hat mit den häufig festklemmenden und in alle Himmelsrichtungen schielenden Schwenkscheinwerfern älterer DS-Modelle von Citroën nur noch das Ziel gemein - immer dahin leuchten zu können, wohin man fahren will. Wenn in zwei oder drei Jahren die beweglichen "Augen" in die Serienfertigung der neuen 7er-Reihe übernommen werden, kauft der Kunde ein beängstigend schlaues System ein: Das Auto weiß in den meisten Fällen schon vor dem Fahrer, wohin der fahren wird. Denn ALC registriert nicht nur mit Hilfe mehrerer Meßfühler jede Andeutung einer Richtungsänderung, um spontan auf den Fahrerwunsch zu reagieren. Das Auto kennt darüber hinaus stets seine genaue geographische Position sowie die Landkarte. Es ist also über jede kommende Kurve und deren Verlauf informiert und kann schon in die nächste Haarnadelkurve leuchten, bevor der Fahrer am Lenkrad kurbelt.

Grundlage dieser vorausschauenden Lichtkontrolle ist das Satellitennavigationssystem GPS, das dem Fahrzeug die ungefähre Position mitteilt. Die Daten müssen noch mit den Daten lokaler Peilsender (die es leider noch nicht flächendeckend gibt) abgeglichen werden, um eine auf den Meter genaue Position zu erhalten. Mit dreidimensionalen Navigationsdaten wird es sogar einmal möglich sein, beim Überfahren einer Kuppe das Frontlicht nach unten zu verstellen, um das eklige Blenden des Gegenverkehrs zu vermeiden. Eine vergleichsweise leichte Übung ist es dagegen, mit Hilfe der GPS-Koordina- ten dem Auto anzugewöhnen, in der Stadt mit wenig, aber in die Breite leuchtendem Licht auszukommen. Auf der Autobahn dagegen sollen die Lampen eine schlanke Lichtkeule weit nach vorn werfen. Teilen dann gewisse Sensoren dem Fahrzeug noch mit, daß es neblig ist, und senkt sich daraufhin automatisch eine spezielle Schlechtwetter-Streuscheibe vor den Scheinwerfer, darf sich eine solche Lichtsteuerung mit einigem Recht "intelligent" nennen.

Während der internationalen Automobilausstellung 1997 in Frankfurt hatte BMW Sculpture vorgestellt, ein futuristisch aussehendes Pkw-Modell mit allen denkbaren Licht- und Leuchtideen. Schnickschnack, dachten damals viele. Doch heute ist, neben ALC, schon eine zweite Sculpture-Idee bis zur Seriennähe entwickelt. Münchner Pendler hatten vielleicht schon das Erlebnis, hinter einem unauffälligen BMW herzufahren, bei dem plötzlich das halbe Heck aufzuglühen scheint. So viel Rotlicht überall - da steigt vor Schreck der Hintermann hart in die Bremse. Und das ist auch der Sinn der Sache, denn der Vordermann mußte eine Vollbremsung machen. Manchmal dagegen leuchtet nur ein kleines Bremslämpchen auf. Das nimmt der Hintermann nicht sehr ernst. Soll er auch nicht. Nach Werkangaben reagiert auch ein Unkundiger instinktiv richtig auf die "Bremsstärkeanzeige BFD" (Brake Force Display), die für leichte, mittlere und starke Bremsungen die Leuchtkraft des Bremslichts in drei Stufen erhöht. Das soll auch gegen den ominösen "Stau aus dem Nichts" wirken - der erste bremst leicht, der zweite kann die Bremsung nicht einschätzen und geht etwas zu heftig in die Pedale, der siebzehnte überbremst total, der achtzehnte steht. "Phlegmatisierung der Fahrzeugkolonne" heißt der erwünschte Gegeneffekt durch BFD.

Die vielen hübschen Lichtideen nennt man in München "sprechendes Licht". Man könnte sich auch vorstellen, daß das Kennzeichen strahlend weiß leuchtet, um bei Beschleunigung dunkler zu werden (so daß das Fahrzeug weiter entfernt erscheint). In die Dachkan- ten integriertes Umrißlicht könnte sprechen: "Schaut her, ich bin zumindest ein Pkw, doch du da, Kenner, entdeckts sogar das neue BMW-Sportcoupé". Und wenn alle Lichter des zukünftigen Autos zusammen aufgeregt blinken und die Hupe noch laut mitdröhnt - dann erlebt der Finsterling in der Tiefgarage den electronic bodyguard, den der verängstigte Fahrer mittels Funkschlüssel aufgeweckt hat.