Dies ist ein Artikel, der nur eine kleine Minderheit interessiert. Vorerst jedenfalls. Immer öfter sieht man, wie ein Handybesitzer in der U-Bahn oder auf der Parkbank heftig die Tastatur seines Taschentelefons bearbeitet. Wenn er nicht gerade versucht, seine Mailbox zu konfigurieren, tippt er wahrscheinlich eine sogenannte SMS-Nachricht. Das ist ein kleiner Textschnipsel, den man sich von Handy zu Handy schicken kann. Manche Menschen nutzen das, um Börsenkurse zu empfangen, andere versenden Liebesbriefchen. Das Problem ist die Eingabe dieser Texte: Das Handy verfügt über zehn Zifferntasten, aber das Alphabet hat 26 Buchstaben, dazu noch Umlaute und Satzzeichen. Deshalb ist jede Taste mit mehreren Zeichen belegt (siehe Grafik). Ein S erzeugt man dann, indem man die 7 viermal drückt. Für das Wort "hallo" drückt man 44-2-555-555-666.

Eine mühselige Angelegenheit also. Wie schön wäre es doch, wenn man pro Buchstabe nur einmal drücken müßte, also 42556 für "hallo" - das wäre eine Ersparnis von über 50 Prozent! Aber dem steht die Mehrdeutigkeit entgegen: Bedeutet 3425 nun "dick" oder "egal " ? Meint der Schreiber mit 3673 "dose", "dorf " oder "ford " ? Und was heißt 9348?

Jetzt gibt es eine Lösung für das Problem. Eine Software mit dem Namen T9, die man in jedes Handy einbauen könnte. Die Idee dahinter ist einfach: Die Mehrdeutigkeit ist eigentlich nur eine theoretische. Für eine Ziffernkombination gibt es meist nur eine oder wenige sinnvolle Entsprechungen. 947 kann zwar 48 verschiedene Buchstabenfolgen codieren, darunter "xhq " , "zis " und "ygr " - aber das einzige passende deutsche Wort ist "wir " . Die Software schaut also blitzschnell in einem internen Lexikon nach, was der Tipper gemeint haben könnte, und setzt das Wort ein. Bei mehreren Lösungen kann er sich eine aussuchen.

Und es funktioniert tatsächlich. Nehmen wir einen typischen Satz, wie ihn ein Handybesitzer gerne seiner Liebsten funkt: "hallo schatz komme gleich nach hause mach schon mal essen" - jedes einzelne Wort erkennt das Programm zuverlässig auf Anhieb.

Die ersten Handyhersteller haben bereits damit begonnen, ihre Telefone mit T9 auszustatten. Sie ist aber auch für Minicomputer wie den Palm Pilot erhältlich. Und da wird es interessant: Denn die traditionelle Schreibmaschinentastatur ist die letzte Computerkomponente, die sich gegen die Miniaturisierung sträubt. Wird sie zu klein, dann kann man einfach nicht mehr vernünftig auf ihr tippen. Das Schreiben auf den Zifferntasten ist da eine Alternative für die Minigeräte, die zunehmend den PC ablösen (siehe ZEIT Nr. 47/98). Nach Angaben der Firma Tegic Communications, die T9 entwickelt hat, schaffen geübte Tipper mit der Software immerhin 30 Wörter pro Minute.

So werden wir in Zukunft vielleicht alle lernen müssen, mit Zahlen zu schreiben. Schön wäre es, wenn dann endlich die Anordnung der Ziffern standardisiert würde - auf der PC-Tastatur liegen die Zahlen immer noch genau andersherum als auf dem Telefon.