Die Show ist überwältigend: Fanfaren ertönen. Lichtkegel gleiten über die gewaltige Bühne der Essener Gruga-Halle. Auf tritt das "fünfte Rahmenprogramm" der Europäischen Union. Hinter dem nüchternen Namen verbirgt sich immerhin ein Forschungsbudget von 15 Milliarden Euro für die Jahre 1998 bis 2002, knapp zwei Milliarden mehr als in den vier Jahren zuvor.

Erstmals zeigt die europäische Forschungsförderung Konturen: Während die Mitgliedstaaten weiterhin für die Finanzierung ihrer Grundlagenforschung verantwortlich zeichnen, konzentrieren sich die Brüsseler auf die anwendungsorientierte Wissenschaft. "Wir wollen zur Lösung von Problemen beitragen, die Europa tatsächlich beschäftigen", sagt Edith Cresson, die zuständige Brüsseler Kommissarin.

Die eigentliche Profilierungsarbeit haben nun die Gutachter zu leisten. Von ihrer Arbeit hängt es ab, ob das fünfte Rahmenprogramm tatsächlich die erhoffte programmatische Wende bringt. Doch noch kennzeichnet das europäische Gutachterwesen vor allem eines: Trägheit.

Die EU muß sich endlich als verläßlicher Forschungspartner erweisen: Zu viele Wissenschaftler haben mit dem trägen Brüsseler Apparat schlechte Erfahrungen gemacht. Viele mußten ein halbes Jahr und länger warten, nur um zu erfahren, daß ihr Antrag abgelehnt ist. Jetzt soll ein neues Verfahren die Bearbeitungsfristen verkürzen. Wie sagte Wissenschaftsstaatssekretär Wolf-Michael Catenhusen doch am Ende der Essener Veranstaltung: "Strukturelle Hemmnisse dürfen die Kooperation in Europa nicht erschweren." Das muß endlich Programm werden!

Und noch eines darf man bei aller europäischen Aufbruchsrhetorik nicht vergessen: Zunächst gilt es, die nationalen Hausarbeiten zu machen. Solange die Anerkennung internationaler Abschlüsse auch in Deutschland zum bürokratischen Hürdenlauf wird, solange Gastwissenschaftler zuerst die Amtsstuben und dann die Labors kennenlernen, ist es mit einer europäischen Forschung, die diesen Namen verdient, nicht weit her.