Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Im Fragebogen der FAZ antwortete Loki Schmidt kurz und fündig: "Eine noch unbekannte Pflanze entdecken." Wie oft hat sie vollkommenes Glück genossen, wie viele Pflanzen tragen ihren Namen? Ihr langjähriger Lebens- und Schachpartner Helmut sollte dies eigentlich wissen. Er grummelt: "Ja, es gibt einige Pflanzen, etwa zwei bis drei, die ihren Namen tragen." - "Und wie heißen die?" - "Tja, bevor ich da was Falsches sage..."

Zeit also, etwas Licht in das Dunkel zu bringen und die beiden Lieblingsgewächse von Hannelore Schmidt, geborene Glaser (am 3. März 1919), kurz vorzustellen. Besonders stolz ist die ausgebildete Lehrerin auf ein Ananasgewächs, das sie in Mexiko gefunden und dem Bonner Botanischen Garten angeschleppt hatte. "Eines Tages rief mich Wilhelm Barthlott, der Direktor des Botanischen Gartens, aufgeregt an, er habe die aus Mexiko mitgebrachte Bromelie blühen sehen. Es sei definitiv eine neue Art. Das war für mich ein großes Glücksgefühl." Das Gewächs erhielt den wissenschaftlichen Namen Pitcairnia loki-schmidtii nov. spec. und wurde vorschriftsgemäß in einer lateinischen Beschreibung dem Fundus der Botanik zugefügt. "Die Pitcairnien sind verhältnismäßig ursprünglich", erzählt sie. "Denn sie wachsen nicht wie viele andere Bromelien epiphytisch, also auf Bäumen oder auf anderen Gewächsen, sondern wie die Ananas auf der Erde."

Hatte ihr Mann sich getäuscht, als er von mehreren Pflanzen sprach, die ihren Namen tragen? "Nein, nein, es gibt auch noch eine Orchidee aus Tunesien und die Neuzüchtung einer ungefüllten Dahlie, die nach mir benannt sind. Aber die tragen nur meinen Namen, weil ich die Frau des Bundeskanzlers war, daran hatte ich keine botanischen Verdienste", wehrt sie weitere Fragen ab.

Ihre Passion sind Forschungsreisen und der Schutz gefährdeter Pflanzen. Besonders schwärmt sie von dem Projekt, den ausgestorbenen Toromiro-Schnurbaum, der früher einzig auf den Osterinseln wuchs, dort wieder anzusiedeln. Thor Heyerdal hatte Samen von diesen Bäumen nach Europa mitgebracht. Daraus haben die botanischen Gärten von Göteborg und Bonn Nachkommen gezüchtet. Inzwischen werden in einer Baumschule auf den Osterinseln knapp 200 Toromiro-Bäumchen akklimatisiert und warten darauf, in ihrer Heimat ausgepflanzt zu werden. "Wenn das Projekt gelingt, wäre es das erste Mal, daß eine ausgestorbene Pflanze wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehrte", sagt sie. "Und es wäre ein schöner Beweis für die Bedeutung botanischer Gärten bei der Erhaltung der Arten." Vor vier Jahren hat sie alle 70 botanischen Gärten der Republik abgeklappert. Nach 26000 Reisekilometern und fast zweijähriger Recherche verfaßte sie einen prächtigen Bildband (Die Botanischen Gärten in Deutschland , Hoffmann und Campe, 320 S., 68 Mark), der sich gut verkauft. Der Erlös geht an ihre Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen, der zahlreiche Standorte seltener Gewächse gehören, weit mehr als eine Million Quadratmeter. Sie fördert zudem den internationalen Erfahrungsaustausch der Gärtner, also der Praktiker und nicht der Akademiker, in botanischen Gärten. Und betreibt Öffentlichkeitsarbeit für gefährdete Pflanzen, indem sie jeweils die "Blume des Jahres" ausruft.

Obwohl Loki Schmidt mehrere wissenschaftliche Publikationen vorweisen kann, unter anderem über die Verhaltensökologie tropischer Eisvögel in Ostafrika oder über die spontane Entwicklung eines brachliegenden Ackergeländes am Brahmsee zum artenreichen Eichen-Birkenwald, versteht sie sich weniger als Forscherin denn als reisende Aufklärerin über die Schönheit der Natur und deren Gefährdung.

Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit hat sie mehr für die Botanik bewirkt als so manches Dutzend Biologieprofessoren. Konsequenterweise hat ihr der Hamburger Senat nun den Titel einer Professorin verliehen.