Das ist schön. Jetzt können wir auch im Merkur , der Deutschen Zeitschrift für europäisches Denken , Ausgabe 599, voll fundiert nachlesen, was wir hier schon seit Jahr und Tag flott behaupten: daß der sogenannte Verfassungsschutz der überflüssigste Verein auf deutschem Boden ist und allenfalls noch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeht, zur gefälligen Schönung der Nürnberger Bilanzen. Erlösen wir diese Behörde, fordert der Hamburger Jurist Horst Meier, "von den Qualen der Sinnlosigkeit" und "den Mühen der Scheinbeschäftigung". Aber immer - weg damit, weg damit! Allerdings wird sich die neue Regierung Kohl dazu wohl kaum entschließen, da hilft kein europäisches Denken.

Dito nicht wirklich überraschend der Abschlußbericht der unabhängigen Wahrheitskommission Guatemalas über die Zeit von 1962 bis 1996: Für 93 Prozent der Menschenrechtsverbrechen in dem mittelamerikanischen Staat seien Armee und paramilitärische Verbände verantwortlich; 200000 Ermordete; kein "Bürgerkrieg", sondern Völkermord; zahlreiche Beweise für die "direkte und indirekte Beteiligung des US-Geheimdienstes CIA an illegalen Operationen". Genau das haben "die Linken" - Konrad Adam, FAZ - doch schon immer gesagt.

Gegen "die Linken" ( wo laufen sie denn ? ). Und gegen die Ökos. Obwohl da Zeichen und Wunder geschehen, im abgeklärten Hamburg zumal, wo die DaimlerChrysler Aerospace AG sich gerade vom Senat ein hübsches letztes Stück Elblandschaft zuschütten lassen will zur Erweiterung ihres Werkgeländes. Wachstum, Wachstum. Und natürlich hat es auch die mitregierende sogenannte Grünalternative Liste längst industrieservil abgenickt, und alles ginge wie immer und in aller Stille und im engsten Filz- & Freunderlkreis - wenn, ja, wenn sich dieser schöne Winkel, Mühlenberger Loch genannt, nicht ausgerechnet just gegenüber den Elbvororten befände, Blankenese, Nienstedten, da, wo die Reichen wohnen und die CDU die Wahlen gewinnt. Da herrscht nun helle Empörung, Kaschmirpullis beben, Perlenketten zittern vor Entrüstung: die herrliche Aussicht, die schöne Landschaft - verbaut und verschandelt von 14 Stockwerke hohen Montagehallen und Depots! Die Industrie- und Wachstumsfraktion, die sich sonst so gern über Wachtelkönigschützer und Feldhamsterkämpfer lustig macht, ist außer sich. Und selbst der Spiegel , der für Ökos und grüne Aktivisten oft genug nur zeitgeistdevote Häme übrig hat, barmt plötzlich, Ausgabe 7/99, sechs Seiten breit über die Zerstörung eines "einzigartigen Rückzugswinkels seltener Vogel- und Fischarten" und geißelt den "Wahn der Technokraten" um Hamburgs Wirtschaftssenator Mirow.

Das stimmt heiter. Aber heiterer noch stimmt uns die Nachricht aus der Tagespresse, daß "Experten mit dem baldigen Auftauchen des europäischen Wolfs in der Lüneburger Heide rechnen". Herzlich willkommen!