Wenn ich Gas gab, um den schwarzen Wagen vor mir einzuholen, beschleunigte er ebenfalls. Seine Anwesenheit hatte also mit meiner zu tun. Weniger allgemein ausgedrückt: Paulus oder sonst irgend jemand von der Stiftung saß darin und "verfolgte" mich auffällig unauffällig, indem er vor mir her fuhr. Ich sollte wissen, daß sie da waren. Als hätte ich das je vergessen. Der schwarze Audi fuhr ein wenig langsamer, verringerte den Abstand zwischen uns, als wollte er sich meiner Gegenwart versichern. In gewisser Weise beruhigte mich das unausgesetzte Interesse der Stiftung an mir. Nach der Affäre um Karmadyne Systems glaubte ich eigentlich, sie hätte mich fallengelassen.

Karmadyne Systems, eine Kundin der Bank, für die ich gearbeitet hatte, war ein spezieller Fall: Bei steigenden Umsätzen schrieb die Firma wachsende Verluste. Eigentlich florierte das Unternehmen, die Auftragsbücher waren voll, die Preiskalkulation stimmte, und dennoch geriet es immer tiefer in die roten Zahlen. Ich bekam den Fall und sollte klären, was da los war. Ich wurde zum kommissarischen Geschäftsführer der Firma bestellt. Ich sah das damals als großartige Chance. Ich hatte nicht begriffen, daß die Stiftung mit meiner Eitelkeit spielte.

Es kostete mich nicht viel, diese Geschichte herauszubekommen. Ich ließ den Geschäftsführer Stellung nehmen, warum er - wie in der Bilanz zu lesen war - allein im Vorjahr dreihunderttausend Mark für "Wirtschaftsanalysen" ausgegeben habe, die keinerlei sichtbare Spuren hinterlassen hatten. Der Mann begriff, woher der Wind wehte. Kurzum, ich warf ihn gegen eine Abfindung raus, ebenso das Viertel der Belegschaft, das mit ihm unter einer Decke steckte. Einige in der Bank meinten, man hätte ihn, statt ihm noch Geld hinterherzuwerfen, der Staatsanwaltschaft übergeben sollen. Die hätten aber in der Firma nur herumermittelt und möglicherweise den Betriebsablauf ins Stocken gebracht. Nein, nein, in solchen Fällen bin ich für pragmatische Lösungen.

Neun Monate nach dieser Aktion schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen - die Rendite betrug achtundzwanzig Prozent, und eine Mitarbeiterzeitschrift der Bank brachte eine Titelstory über mich - "Das ist Shareholder value!"

Natürlich war klar, daß achtundzwanzig Prozent auf Dauer nicht zu halten waren, und ich sagte meinen Vorgesetzten, die Bank solle den Laden jetzt verkaufen, wo er so strahlend dastand. Als ich wenige Wochen später hörte, daß ein Käufer gefunden war und das Geschäft in Kürze über die Bühne gehen würde, war ich sicher, die größte Glanztat meiner Karriere vollbracht zu haben.

Und dann rief Paulus an: "Gratuliere, wie ich höre, machen Sie Ihre Sache gut."

"Ich glaube schon, ja."