Cathrine B. ist Pariserin und weiß, wo die Mode entsteht: auf der Straße nämlich. Genauer: auf ihrer Straße, rings um ihre kleine Boutique in Saint-Germain-des-Prés. Der Trend heißt Haute Couture aus zweiter Hand, kombiniert mit neuen Teilen von H&M oder Gap. Eine Idee, die auf Pariser Straßen nicht nur schnell gesehen, sondern ebenso schnell aufgegriffen wird.

Cathrine B. handelt mit getragener Haute Couture und Accessoires von Chanel und Hermès, und weil sie weiß, daß auch der beste Trend rasch verbleicht, verkauft sie antiken Luxus auch per Internet.

Die 37jährige ehemalige Journalistin, die ihren Beruf als Gebrauchtwarenhändlerin der Mode bezeichnet, hat irgendwann selbst begonnen, Couture zu sammeln, jene unerschwinglichen Einzelstücke mit dem Label der großen Modeschöpfer, die sich die Erstkundinnen übergesehen haben oder die ungetragen ihre Kleiderschränke verstopfen. Vor fünf Jahren eröffnete Cathrine B. ihre kleine Boutique, und das war nichts weniger als mutig, denn: "Damals hatte ich nicht viel Ware. Ich führe nur erste Qualität, Ware von traditionsreichen Häusern wie Chanel und Hermès." Wo sie ihren Nachschub findet? Entweder auf Auktionen oder bei wohlhabenden Privatkundinnen, die sie zu sich rufen. Bezahlt wird bar - wie sonst?

Ihre Kundinnen sind 18 bis 20 Jahre alt. Die klassischen schwarzen Chanel-Taschen mit Goldkette sind im Schnitt genauso alt und werden heute zu Jeans und Baskets getragen. Damen reifer Jahrgänge erstehen bei ihr Hermès-Tücher zu 600 Franc als Geschenk für die Enkelin, vielleicht auch mal eine Kelly-Tasche aus Krokoleder zu 48 000 Franc. Die belgische Künstlerin Sylvie Fleurie konnte neulich einem Kellybag für 30 000 Franc nicht widerstehen; das gute Stück ist, in Blei getaucht und mit einer Signatur versehen, inzwischen das Fünffache wert.

Das ist aber auch das Äußerste, was Cathrine B. über ihre prominenten Kundinnen aus dem Mode- und Showbusineß zu verraten bereit ist. Allenfalls teilt sie noch mit, daß die Chanel-Jacken aus den Prêt-à-porter-Kollektionen auch in getragenem Zustand toll sitzen und in schönen Farben weggehen wie geschnitten Brot, da sie zu billigen Basics einfach unschlagbar sind.

Cathrine B. hat einen Konkurrenten, und der heißt Didier Ludot. Der Mann darf sich damit schmücken, dem Trend des getragenen Luxus den sehr französischen Titel "Vintage Couture" verliehen zu haben, was seine Ware in die Nähe alter Weine rückt. Eine passende Adresse hat Ludot in den Arkaden des Jardin du Palais Royal gefunden. Seine Marktnische: Haute Couture 1920 bis 1980.

In Modekreisen hat er einen Namen, der Bretone, der als kleiner Junge Anfang der sechziger Jahre seine Mutter zu den großen Couture-Häusern begleitete. Im Hause Ludot liebte, kaufte und trug man schon immer Edles, das sich in den Schränken sammelte.