die zeit: Herr Schulte-Noelle, die Allianz attackiert die Steuerpläne der rot-grünen Koalition und droht, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Stehen Sie mit der neuen Regierung jetzt auf Kriegsfuß?

Henning Schulte-Noelle: Mit der bisherigen Steuerpolitik kann niemand zufrieden sein, dem an mehr Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Arbeitsplätzen in Deutschland liegt. Ansonsten wäre es nicht fair, schon jetzt den Stab über das Kabinett von Bundeskanzler Schröder zu brechen. Man muß jeder Bundesregierung die Zeit geben, ihre Arbeit erst einmal zu organisieren.

zeit: Hat Ihre nachsichtige Haltung damit zu tun, daß sich die Bundesregierung - wie ihre Vorgängerin - nicht traut, die Zinseinkünfte von Lebensversicherungen zu besteuern? Die Allianz ist hier mit Abstand Branchenprimus.

Schulte-Noelle: Die Steuerpläne von Herrn Lafontaine sehen neue Belastungen für die Versicherungsbranche in zweistelliger Milliardenhöhe vor. Wir halten das für absolut unangemessen. Da kann niemand behaupten, wir würden bevorzugt, genau das Gegenteil ist der Fall.

zeit: Unter dem Strich kommen Sie dennoch nicht schlecht weg, wenn das Geschäft mit den Lebensversicherungen unangetastet bleibt.

Schulte-Noelle: Mit diesen Policen sorgen Millionen Menschen finanziell vor - insbesondere für ihr Alter. Die Politik kann nicht einerseits an die Eigenverantwortung appellieren, andererseits jene bestrafen, die vorausschauend handeln und früh mit dem Sparen beginnen.

zeit: Tatsache bleibt, daß Sie sich vehement gegen neue steuerliche Belastungen wehren.