Schwarzwaldmädel oder Der Förster vom Silberwald, so hießen Heimatfilme hierzulande. Entstanden in der Blüte der Adenauer-Restauration, ermöglichten sie den Wirtschaftswundertätern die Teilzeitflucht in die Landschafts- und Liebesidylle. In Amerika aber heißen Heimatfilme schlicht: Western. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, daß die Knechte Severin und Lukas immer davon träumen, eines Tages ins gelobte Land zu gehen. Denn genau das sind Die Siebtelbauern: ein österreichischer Alpenwestern, in dem sieben glorreiche Rebellen mit Grund um ihr Land kämpfen. Und dem Regisseur Stefan Ruzowitzky gelingt es, ein totgeglaubtes Genre zu beleben, ohne es zu denunzieren.

Irgendwo in Österreich, irgendwann in den zwanziger Jahren: Der Bauer Hillinger liegt mit durchschnittener Kehle tot im Hof. Die Mörderin, eine alte Frau, die das noch blutige Messer in der Hand hält, ist sofort entdeckt, doch sie redet kein Wort. "Das ist eine seltsame Sache", sagt Severin, "die nur der Anfang ist von noch mehr seltsamen Sachen." In der Tat: Als im Dorfgasthof der Letzte Wille des Bauern verlesen wird, geschieht, was noch nie geschehen ist. Hillinger beschimpft in seinem Testament Gott und die Welt und vermacht den Hof seinen zehn Knechten und Mägden: "Hoffentlich schlagen sie sich gegenseitig tot, wenn sie drum streiten." Die Dorfwelt ist aus den Fugen. Hier, wo die Götter noch bei den Menschen wohnen, hat ein jeder seinen Platz in der zugefügten Ordnung einzunehmen. Das hat es noch nicht gegeben, daß ein Knecht zum Herrn wird. Eine Gotteslästerung. "Ein Bauer ist ein Bauer, das ist schon so", verkündet Danninger, der mächtigste Grundbesitzer am Ort, "es ist ja auch kein Mann eine Frau und kein Esel ein Pferd. Wer gegen den Willen vom Herrgott lebt, der wird ein Unglück haben."

Danninger versucht die Sache aus der Welt zu schaffen, indem er dem Großknecht zehntausend Schilling für den Hof bietet. Doch zur Überraschung aller weigern sich unter Anführung der selbstbewußten Emmy sieben der Knechte und Mägde zu verkaufen. Sie behalten den Hof, sie werden die "Siebtelbauern".

Der 1961 geborene Regisseur Stefan Ruzowitzky zeichnet ein atmosphärisch ungemein dichtes Bild der sprachlosen Welt der Bauern. Wer hier mehr als fünf Sätze sagt, ist ein Schwätzer. Nur manchmal wird der lakonische Bilderfluß durch videoclipartige Montagen - Ruzowitzky drehte unter anderem für die Scorpions und No Mercy - unterbrochen, die gleich Erinnerungsblitzen Vergangenes in die Geschichte einfügen. Ruzowitzky spielt mit vielen Genres: Die Siebtelbauern sind Heimatfilm und Western, aber auch ein Sozialstück in Woyzeck-Manier ("Was ein armer Schuft ist, dem geht's überall schlecht", sagt Severin). Und als die Mörderin Rosalind wie eine Rachegöttin in die festgefügte Dorfwelt einbricht, erinnert der Film in Momenten gar an eine griechische Tragödie.

Daß ihm trotz dieses Stilgemenges nie der Atem ausgeht, liegt an den großartigen Schauspielern: Sophie Rois, die zukünftige Salzburger Buhlschaft, ist die bauernschlau freche Emmy, Simon Schwarz der naiv draufgängerische Lukas, Lars Rudolph spielt den zart zergrübelten Severin, und Ulrich Wildgruber gibt - ganz und gar zurückhaltend - den Bauern Danninger, der bei aller Selbstzufriedenheit manchmal an seinem Weltbild zu zweifeln beginnt.

Kein Western ohne Showdown auf der Kuhkoppel. Als Danningers Mannen die Scheune der Siebtelbauern niederbrennen, erschlägt Lukas einen von ihnen. Er flieht, versteckt sich, schläft ein letztes Mal mit Emmy. Dann überfällt er den örtlichen Polizeiposten und stellt sich - ganz lonesome cowboy - den Dorfbewohnern zum letzten Duell.